Kritik an Protestaktion #allesdichtmachen ebbt nicht ab

Berlin (epd). Die Kritik an der umstrittenen Schauspieler-Kampagne #allesdichtmachen reißt nicht ab.

Wer sich über die Corona-Schutzmaßnahmen lustig mache, "zeigt kein Mitgefühl für 80.000 Corona-Tote, ihre Angehörigen und die sorgenden Menschen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der "Bild am Sonntag". Der Schriftsteller Thomas Brussig sagte dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag), die "Tonalität der Selbstgerechtigkeit der Schauspieler" sei schwer auszuhalten.

Schauspieler Jan Josef Liefers verteidigte die Kampagne, zu der er selbst ein Video beigesteuert hat. Auch Fernsehmoderator Günther Jauch nahm die Beteiligten in Schutz. Im Internet starteten Ärzte und Pfleger eine Gegenkampagne unter dem Hashtag #allemalneschichtmachen.

Die Kampagne #allesdichtmachen hatte am Freitag vielfach Empörung ausgelöst. Den Teilnehmern wurden unter anderem fehlende Empathie und Zynismus vorgeworfen. An der Kampagne hatten sich mehr als 50 Schauspieler und Schauspielerinnen beteiligt, darunter Ulrich Tukur, Heike Makatsch und Meret Becker. Zuspruch erhielt die Aktion aus dem rechten Lager, von AfD-Politikern und aus der "Querdenken"-Szene.

Einige Künstlerinnen und Künstler distanzierten sich inzwischen und löschten ihre Beiträge. Am Sonntagnachmittag waren von ursprünglich 53 noch 34 Video-Clips zu sehen.

In einem Statement auf der Webseite hieß es, die Kampagne übe "mit Mitteln von Satire und Ironie" Kritik. "Wenn man uns dafür auf massivste Art und Weise beschimpft und bedroht, ist das ein Zeichen, dass hier etwas ins Ungleichgewicht geraten ist." Corona werde nicht geleugnet, die Beteiligten ließen sich "nicht in eine Ecke stellen mit Rechten, Verschwörungstheoretikern und Reichsbürgern". Es sei jedoch kein offizielles Statement von allen an dem Projekt Beteiligten, hieß es.

Brysch betonte, die Teilnehmer hätten sich wenig einfühlsam gezeigt, und die Aktion sei nach hinten losgegangen. Filmproduzent Nico Hofmann sprach von einem schmalen satirischen Grat. "Und wer darauf ausrutscht, landet rasch im Abgrund, genauer gesagt im sehr rechten, antidemokratischen Milieu", sagte er der "Bild am Sonntag". Für ihn sei die Balance bei #allesdichtmachen "absolut danebengegangen".

Brussig sagte zu Anmerkungen, die Aktion sei Satire gewesen, es sei "immer besser, die Komödie erst dann zu machen, wenn die Tragödie hinter einem liegt". Der Präsident der Deutschen Filmakademie und Schauspieler Ulrich Matthes sagte, er sei nach Bekanntwerden der Kampagne "einigermaßen fassungslos" gewesen: "Ich empfinde sie nur als zynisch." Manche der Beiträge seien "absoluter Querdenker-Szene-Jargon", sagte Matthes am Freitagabend dem NDR.

Liefers erklärte in der Talkshow "3nach9" von Radio Bremen am Freitagabend, er habe Menschen vertreten wollen, die unter den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung leiden. Jedoch sei dafür Ironie vielleicht das falsche Mittel gewesen. Die Aktion habe keinesfalls "rechte Schwurbler und Wirrköpfe" munitionieren sollen.

Jauch sagte der "Jüdischen Allgemeinen", er kenne einige der beteiligten Künstler seit langem persönlich: "Die sind jetzt todunglücklich über die Instrumentalisierung durch Coronaleugner und die AfD."



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