Sächsische Familien sollen wieder feiern dürfen: Kretschmer kündigt weitere Lockerungen für den 6. Juni an | Brandenburg erlaubt Lockerungen bei Kultur, Sport und Familienfeiern

Dresden (epd). Sachsen plant in der Corona-Krise weitere Lockerungen.

Es werde darüber nachgedacht, Familienfeiern mit bis zu 50 Personen wieder zuzulassen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Dienstag in Dresden nach der Kabinettssitzung. Allerdings müsse der Vorschlag noch mit den Gesundheitsämtern diskutiert werden - wohl wissend, dass das Infektionsrisiko höher sein werde.

Auch Busreisen sollen wieder möglich sein, wenn ein Hygienekonzept vorliegt. Geprüft werden soll in den nächsten Tagen außerdem, ob Kinderfreizeiten in den Sommerferien genehmigt werden können. Das sächsische Kabinett will die neue Coronaschutzverordnung am 3. Juni beschließen. Sie soll dann am 6. Juni in Kraft treten.

Kretschmer betonte: "Wir bleiben bei unserer Strategie der vergangenen Monate." Mit jedem weiteren Rückgang an Neuinfektionen werde auf mehr Eigenverantwortung gesetzt - weg von staatlichen Vorgaben. "Wir sind freie Menschen, jede Einschränkung muss begründet werden", sagte er. Mindestabstände, Mund-Nasen-Schutz in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr sowie Hygienemaßnahmen sollen aber beibehalten werden.

Überlegt werde zudem, ob sich wieder bis zu zehn Personen treffen können statt nur Angehörige aus zwei Hausständen, sagte Kretschmer. Zunächst werde bewusst auf eine Regelung für Familienfeiern gesetzt, weil dort Infektionswege sehr klar nachvollzogen werden könnten. Keinen Publikumsverkehr soll es dagegen auch weiterhin bei Sportveranstaltungen geben.

"Wir müssen nach den Wochen der Vorsicht jetzt für Sicherheit sorgen, wir brauchen Stabilität", sagte Kretschmer. Vor allem aber müsse die Gesellschaft "diskursfähig bleiben". Dazu betonte er: "Ich begegne jedem mit Respekt - auch jedem mit noch so steiler These". Aber das wünsche er auch von seinem Gegenüber. Der Regierungschef hatte bei Corona-Protesten in Sachsen das Gespräch mit Demonstranten gesucht und war dabei zum Teil heftig beschimpft worden.

Die Landesregierung hat für Donnerstagabend zu einem Runden Tisch eingeladen, an dem Verbände, Virologen und Privatpersonen mit überstandener Corona-Infektion teilnehmen sollen sowie Menschen, die Schutzmaßnahmen für überzogen halten - insgesamt 22 Personen.

Laut Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) sollen mit der neuen Verordnung auch Besuche in den Pflegeheimen wieder erlaubt sein, allerdings unter strengen Auflagen. Der Freistaat wolle weniger generelle Verbote erlassen, sondern viele Dinge unter bestimmten Regelungen ermöglichen, sagte sie.

Sachsen plant Köpping zufolge zudem eine Ausweitung der Corona-Tests, darunter in den Alten- und Pflegeheimen. Bereits beschlossen ist, dass sich Lehrer ab Ende des Monats freiwillig testen lassen können.

In Sachsen waren bis Dienstagmittag 5.236 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, sieben mehr als am Vortag. In neun Landkreisen habe es gar keine neuen Infektionsfälle gegeben. Getestet wird in den zehn sächsischen Landkreisen und den drei Großstädten. 207 Menschen sind in Sachsen nach einer Coronavirus-Infektion gestorben. 4.740 Patienten haben die Infektionskrankheit überstanden.

Brandenburg erlaubt Lockerungen bei Kultur, Sport und Familienfeiern

Potsdam (epd). Erleichterungen unter anderem für Kultur, Sport und Familien: Die neue Verordnung der brandenburgischen Landesregierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sieht wegen derzeit niedriger Infektionszahlen weitere Lockerungen vor. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellte am Dienstag in Potsdam gemeinsam mit Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) eine neue Eindämmungsverordnung vor, die zunächst bis zum 15. Juni gelten soll. Dabei appellierte Woidke an Verantwortung und gesunden Menschenverstand, Leichtsinn und Übermut in Schach zu halten. Trotz aller Lockerungen gelte weiter das Abstandsgebot zwischen Menschen und die Beschränkung sozialer Kontakte. Ein neuer Shutdown müsse unbedingt verhindert werden.

Nonnemacher warnte davor, sich trotz der Lockerungen in falscher Sicherheit zu wiegen: "Das Virus ist immer noch da!" Alle müssten Verantwortung übernehmen: "Sonst werden auch in Brandenburg schnell neue Infektionsgeschehen aufflammen", so Nonnemacher. Mit Blick auf Ankündigungen aus anderen Bundesländern, die Einschränkungen vollkommen aufzugeben, warnte Woidke vor Alleingängen und Eitelkeiten einzelner Regierungschefs.

In Brandenburg sind von Donnerstag an Versammlungen und Veranstaltungen wie genehmigte Demonstrationen oder Gottesdienste unter freiem Himmel mit bis zu 150 Personen und in geschlossenen Räumen mit bis zu 75 Personen erlaubt. Private Feiern wie Hochzeiten sind bei "gewichtigem Anlass" mit bis zu 50 Personen zugelassen - drinnen wie draußen. Auch Freibäder und sonstige Badeanlagen unter freiem Himmel dürfen dann mit entsprechenden Hygienekonzepten wieder öffnen.

Außerdem ist ab Donnerstag künftig auch der gemeinsame Aufenthalt im öffentlichen Raum mit bis zu zehn Personen oder zwei Hausständen möglich. Ab 6. Juni sollen dann auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Theater und Kinos in Räumen mit bis zu 75 Personen und unter freiem Himmel mit bis zu 150 Personen stattfinden dürfen.

Weiter verständigte sich die Landesregierung darauf, dass ab Donnerstag öffentliche und private Indoor-Sportanlagen wie Sporthallen, Fitnessstudios und Tanzschulen wieder öffnen dürfen, allerdings ohne Zuschauer. Geschlossen bleiben Indoor-Spielplätze, da die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln nicht gewährleistet werden könne. Dabei gilt grundsätzlich für alle Betreiber, dass Hygienekonzepte vorliegen müssen.

Auch die bisherige Begrenzung der Teilnehmerzahl von fünf Personen bei Fahrunterricht, Nachhilfe oder Musikunterricht ist ab Donnerstag aufgehoben. Feste an Schulen sind zu besonderen Anlässen unter freiem Himmel mit bis zu 150 und in geschlossenen Räumen mit bis zu 75 Personen erlaubt. Für Kitas gilt dies nur für Veranstaltungen im Freien.

Ab 13. Juni sollen auch Spaß- und Freizeitbäder, Trockensaunen über 80 Grad Celsius ohne Aufgüsse, Thermalbäder und sonstige Badeanlagen in geschlossenen Räumen öffnen. Personen mit Atemwegserkrankungen dürfen Sportanlagen und Bäder nicht betreten. Weiter dürfen in Brandenburg ab Donnerstag unter bestimmten Voraussetzungen auch Spielhallen und Wettannahmestellen wieder öffnen. In Brandenburg wurden bis Dienstag 3.246 Covid-19-Fälle statistisch erfasst, acht mehr als einen Tag zuvor.



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