Sächsische Sozialministerin: Lockdown ist dringend notwendig | SPD-Politikerin "sprachlos" nach Angriff auf Dresdner Impfteam

Dresden (epd). Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) sieht keine Alternative zu einem erneuten Lockdown. 

 „Ich halte ihn dringend für notwendig, weil ich keine andere Möglichkeit mehr sehe“, sagte Köpping am Donnerstag in Dresden. Aus ihrer Sicht sei alles ausgereizt. „Wir sind mit Berlin in Kontakt, weil uns die Maßnahmen nicht für ausreichend erscheinen“, sagte Köpping.

Sie sehe im Moment keine andere Variante als den Lockdown. Zu überlegen sei aber, ob die Kitas und Schulen weiter offen bleiben. Auch Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) betonte: „Die Situation ist dramatisch“. Der Bund müsste jetzt Veränderungen vornehmen. Das Wichtige sei die Kontaktreduzierung, aber dafür brauche es eine bundeseinheitliche Regelung.

Ob die Weihnachtsferien in Sachsen - wie in einigen anderen Bundesländern bereits angekündigt - vorgezogen werden, sei nicht auszuschließen. Die Wirkung dieser Maßnahme sei 2020 „äußerst begrenzt“ gewesen, sagte Piwarz: „Wir sind aber offen in der Diskussion.“ Eine Entscheidung dazu kündigte er für spätestens Anfang Dezember an.

In Sachsen ist die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals über die 1.000er-Marke geklettert. Laut Robert Koch-Institut (RKI) stieg sie auf 1.074,6. Bundesweit lag sie am Donnerstag bei 419,7.

Neun sächsische Landkreise haben laut Köpping bei der Sieben-Tage-Inzidenz die 1.000er-Marke überschritten. Mehr als 12.000 Covid-19-Infektionen wurden neu gemeldet. In Sachsen sind nur 57,9 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. „Wir brauchen eine Allianz des Impfens“, sagte Köpping.

Unterdessen wird in Sachsen die Verlegung von Corona-Intensivpatientinnen und -patienten in andere Bundesländer vorbereitet. Erste Maßnahmen waren für Donnerstag geplant. Zunächst seien zehn Erkrankte vorgesehen, hieß es. Für jede weitere Woche hat Sachsen bereits 20 Intensivpatienten zur Verlegung angemeldet. Angebote, Erkrankte zu übernehmen, gebe es auch aus Italien und Portugal.

Die Situation in den sächsischen Krankenhäusern bereite ihr Sorge, sagte Köpping. Es sei „sehr, sehr ernst“. Derzeit sind laut Ministerin 1.943 Betten mit Covid-19-Patientinnen belegt, zusätzlich liegen auf den Intensivstationen 533 Corona-Patienten. Die Sieben-Tage-Hospitalisierungsrate betrug am Donnerstag für Sachsen laut RKI 5,47.

Bekannt wurde zudem, dass es in Dresden am Mittwoch offenbar einen Angriff auf ein mobiles Impfteam gegeben hat. Im Dresdner Stadtteil Prohlis soll ein Unbekannter einen Feuerwerkskörper gezündet und gegen das mobile Impfteam im Bürgersaal geschleudert haben. Der Sprengsatz detonierte im Gebäude.

Köpping nannte den Vorfall „menschenverachtend und inakzeptabel“. Sie sei „sprachlos“, sagte die Ministerin.

Laut dem Kultusminister sind in Sachsen derzeit 193 Schulen teilweise und 110 vollständig geschlossen. „Wir wollen bei dem vereinbarten Weg bleiben, Kitas und Schulen offen zu halten, auch wenn das in dieser Zeit schwierig ist“, sagte er. Es werde aber jede Woche überprüft, „ob wir diesen Weg fortsetzen können“. Flächendeckende Schulschließungen sind Piwarz zufolge nach derzeit geltenden Gesetzen nicht möglich.



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