Satirische Protest-Aktion #allesdichtmachen schlägt Wellen | Bundesgesundheitsminister Spahn will mit Schauspielern reden

Frankfurt a.M./Berlin (epd). Die Protest-Aktion #allesdichtmachen gegen verschärfte Corona-Schutzmaßnahmen hat hohe Empörungswellen im Netz geschlagen. 

Die Bundesregierung reagierte indes eher gelassen. Kritik sei normal, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin: "Ich wäre eher besorgt, wenn es keine gäbe." Überall wo er sei, höre er auch Kritik an einschränkenden Maßnahmen gegen die Pandemie. Entscheidend sei, dass man miteinander im Gespräch bleibe, sagte Spahn. Er könne sich vorstellen, mit den Initiatoren zu sprechen.

Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußerte "großes Verständnis" für die Nöte der Kreativen und dafür, dass diese auf spezifische Einschränkungen aufmerksam machten. Das Virus treffe die Kulturwelt in ihrem Lebensnerv, "uns allen fehlen verbindliche Öffnungsperspektiven", sagte sie. Zugleich kritisierte sie jedoch den Ton der Protest-Clips. Sie hätte sich "deutlich mehr Empathie für die Menschen gewünscht, die vom Coronavirus betroffen sind oder im Gesundheitssystem harte Arbeit leisten", sagte Grütters. Es gehe um die Rettung von Menschenleben.

Der Deutsche Kulturrat bezeichnete die satirische Aktion als "nicht hilfreich". Die Schauspieler hätten mit ihren ironisch überspitzten Videos eine große Irritation ausgelöst, sagte Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Natürlich dürfen die das sagen, keine Frage", sagte Zimmermann. Aber das Anliegen der Kulturwirtschaft, etwa Veranstaltungen im Freien zu ermöglichen, bekomme jetzt einen "Zungenschlag".

Es sei richtig, dass es das Infektionsschutzgesetz und klare bundesweite Regeln für Einschränkungen gebe, unterstrich Zimmermann: "Solange Menschen sterben, müssen wir was tun." Allerdings habe sich der Kulturrat dafür eingesetzt, Konzerte und Veranstaltungen draußen zu erlauben. Im Bemühen um kleine Öffnungsschritte für den Kulturbereich sei die Aktion "kontraproduktiv". Das hätten die Beteiligten, das "Who is Who der Film- und Fernsehlandschaft", nicht gewollt, sei aber "unglücklich".

In den sozialen Netzwerken war die Empörung über die Protest-Clips groß. Den Schauspielern wurde vielfach Zynismus und Nähe zu Corona-Leugnern vorgeworfen. Aber es gab auch Unterstützung für die Kampagne, unter anderem auch von Vertretern der AfD und der "Querdenken"-Bewegung. Jan-Josef Liefers distanzierte sich daraufhin von AfD und "Querdenkern", nicht aber von der Aktion. Er setze sich kritisch mit den Regierungsentscheidungen zu SarsCoV2 und Covid-19 auseinander, twitterte er. "Besonders wegen der in Kauf genommenen Verluste in Kultur und Kunst und der Veranstaltungsbranche." Einige Schauspieler, darunter Heike Makatsch, zogen dagegen ihre Videos zurück.

Der Geschäftsführer der Wunder am Werk GmbH, die die Videos initiiert hatte, Bernd Wunder, sagte dem epd, mit Gegenwind habe man gerechnet, nicht aber damit, dass die Aktion so hohe Wellen schlage und auch nicht mit einem "Bashing" in diesem Ausmaß. "Die Kulturschaffenden wollten Kritik äußern, aber niemals pietätlos sein; sie sehen die Gefahren von Corona", sagte Wunder. Man habe nicht Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner ansprechen wollen, sondern Leute, die "zwischen die Fronten geraten" seien.



Ähnliche Artikel