Stiko-Vorsitzender warnt vor Abkehr von Impfreihenfolge | Über 100.000 Thüringer erhielten erste Corona-Impfung

Essen/Berlin (epd). Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts, Thomas Mertens, warnt davor, die empfohlene Reihenfolge der Corona-Schutzimpfungen aufzuheben.

"Es darf nicht passieren, dass zum Beispiel schwer kranke Risikopatienten leer ausgehen, weil ganze Berufsgruppen mit starker Lobby unabhängig von der evidenzbasierten Prioritätsstufe vorgezogen werden", sagte der Mediziner den Zeitungen der Essener Funke-Mediengruppe (Mittwoch). Vorrangiges Ziel der Impfungen sei es, gegen das individuelle Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung zu schützen: "Der epidemiologische Nutzen für die Eindämmung der Pandemie ist sehr wichtig, kommt aber zunächst erst an zweiter Stelle."

Zugleich zeigte Mertens aber auch Verständnis für pragmatische Lösungen, falls bei Verimpfungen Serum übrig bleibt. So blieben beim Impfstoff von Astra-Zeneca "aus weitgehend irrationalen Gründen" jeden Tag viele Impfstoffdosen liegen, erklärte er. In der Praxis sei es für die Beschäftigten in den Impfzentren aber oft schwierig, zu identifizieren, wer im konkreten Fall der nächste in der Reihenfolge sei. "Hier sollte es unbedingt in allen Impfzentren Listen geben, die festlegen, wer an die Reihe kommt, wenn Dosen übrig bleiben", betonte Mertens. Damit kein Impfstoff verworfen wird, könne man dann auch "geeignete Kandidaten aus nachfolgenden Prioritätsgruppen vorziehen".

Über 100.000 Thüringer erhielten erste Corona-Impfung

Erfurt (epd). In Thüringen wurden nach Angaben des Sozialministeriums bislang mehr als 100.000 Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Genau 101.003 Einwohner des Landes hätten seit Januar eine erste Impfdosis erhalten, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Erfurt. Das entspreche 4,7 Prozent der Bevölkerung. Eine vollständige Immunisierung hätten bisher 51.610 Personen (2,4 Prozent) erhalten.

Ministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete den aktuellen Stand als "einen kleinen Meilenstein im Kampf gegen die Corona-Pandemie". Ziel sei es nun, die Zahl der Erstimpfungen bis Ostern deutlich zu steigern. Etwa zehn Prozent der Thüringerinnen und Thüringer sollen bis Ende März eine Erstimpfung erhalten. Die nötigen Kapazitäten hierfür seien bereits im Aufbau. "Mit den entsprechenden Lieferzusagen werden wir das Tempo bei den Impfungen verdoppeln", erklärte Werner.

Am Dienstag sei die Terminvergabe für Personen unter 65 Jahren in der Priorisierungsgruppe 2.1, vor allem Mitarbeitende im Gesundheitswesen sowie Beschäftigte in der Pflege, gestartet worden. Bereits am ersten Tag seien über 2.700 Impftermine vereinbart worden. Die Ministerin wertete dies als ein positives Signal. "Nur so kommen wir langfristig zurück zur Normalität", erklärte sie.

Die CDU sprach indes von "chaotischen Zuständen bei der Vergabe von Impfterminen in Thüringen". Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Christoph Zippel, plädierte für die Einführung von Wartelisten für die Bürger, die sich um eine Corona-Schutzimpfung für sich oder ihre Angehörigen bemühten.



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