26.11.2021
Umfrage: Corona macht Verschwörungserzählungen sichtbarer

Berlin (epd). Fast die Hälfte der Berliner erlebt einer repräsentativen Umfrage zufolge Diskriminierung vornehmlich am Arbeitsplatz. 

Das ist das Ergebnis des am Donnerstag vorstellten Berlin-Monitors 2021 der Universität Leipzig und der Hochschule Magdeburg-Stendal. Am häufigsten wurden Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts vor allem bei Frauen genannt. Nur sechs Prozent zeigte die Diskriminierung bei zuständigen Behörden an.

Berlin müsse verstärkt über Gegenmaßnahmen nachdenken, betonte der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne). Knapp zwanzig Prozent der Betroffenen gab an, durch Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung diskriminiert worden zu sein.

Die Ergebnisse des Berlin Monitors zeigten, dass die Bewohner der Stadt eine Diktatur und Autokratie mehrheitlich ablehnten, Politikern gegenüber jedoch ambivalent eingestellt seien, sagte der Justizsenator. Die Aussage, Deutschland brauche eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpere, bejahten knapp ein Viertel der Befragten. Im Bundesdurchschnitt lag der Wert bei rund 15 Prozent.

In der Studie zutage getretene Verschwörungserzählungen seien in der Bundeshauptstadt ein „manifestes Problem“, sagte der Justizsenator. Im weiteren Verlauf der Pandemie könne es zu einer weiteren Radikalisierung und mehr Gewaltbereitschaft von Gegnern der Anti-Corona-Maßnahmen kommen, warnten die Autoren.

Im Vergleich zum ersten Berlin-Monitor von 2019 habe die Erhebung gezeigt, das rechtsextreme Einstellungen in der Corona-Epidemie sichtbarer geworden seien, erklärte Oliver Decker. Der Sozialpsychologe ist Leiter des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Universität Leipzig. Insbesondere der Wunsch nach einer harten Regierung und einer starken Partei, die durch unsichere Zeiten führten, sei deutlicher hervorgetreten.

„Verschwörungsmentalität ist ein Tor zu rechtsextremen und antidemokratischen Einstellungen“, warnen die Autoren der Studie unter Hinweis auf fünf Prozent manifeste und elf Prozent latente Sympathien für diktatorische Regierungsformen unter den Befragten. Decker wies auf die Gefahr hin, das rechtsextreme Einstellungen etwa bei Protesten gegen Anti-Corona-Maßnahmen „handlungswirksam“ werden könnten.

Die Befragungen zeigten auch „deutlich vorurteilsbelastete und rassistische Einstellungen in der Berliner Bevölkerung gegenüber Schwarzen Menschen“, wie es heißt. Diese fallen der Studie zufolge in Berlin aber geringer als im bundesdeutschen Durchschnitt aus.

So stieß die Erhebung bei zehn Prozent der Befragten auf offenen antischwarzen Rassismus. Latente Formen des Rassismus, die sich etwa in scheinbar positiven Bewertungen etwa von Sportlern äußere, finden demnach eine wesentlich höhere Akzeptanz.

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fielen die Zustimmungswerte zu Ausländerfeindlichkeit in Berlin den Autoren zufolge bemerkenswert gering aus. Dennoch fänden sich besonders unter den Wählerinnen und Wählern der AfD rechtsextreme Einstellungen.

Für die Studie wurden zwischen September und November 2021 rund 2.000 Personen im Alter zwischen 18 und 93 Jahren befragt.


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