Stimmt es, dass die evangelische Kirche auf einen Pfarrermangel zusteuert? Werden künftig nicht mehr alle Pfarrstellen in der EKM zu besetzen sein? Sind die Erfahrungen, die Kirchengemeinden unserer Landeskirche mit langwierigen Besetzungsverfahren und vergeblichen Ausschreibungen machen, nur die Vorboten einer sich rapide verschlechternden Personalsituation der Kirche? Was stimmt: Kommt die Katastrophe oder ist alles in Ordnung? Weder – noch. Die Antwort dazwischen heißt: Wir werden uns mühen müssen und tun es schon jetzt. Wir tun das in vielerlei Hinsicht, und wir brauchen Ihre tätige Unterstützung und Mitwirkung.

Liebe Leserinnen und Leser, mit diesen Worten beginnt der Personalbericht, den wir der 8. Tagung der II. Landessynode der EKM am 22. November 2018 zur Debatte und Beschlussfassung vorlegten. Angeregt durch zwölf Thesen (Sie können die Einbringung der Thesen unter https://youtu.be/YEiCcmonVhE und https://youtu.be/xnp0UKh5_aw anschauen.) debattierten die Synodalen Situation und Perspektiven der kirchlichen Personalarbeit. Unter dem Eindruck dieser Gespräche appellierte die Synode an ihre Gemeinden „Schaut auf die Kinder und Jugendlichen in den Gemeinden und auf ihre Gaben; überlegt, ob ihr sie nicht für einen kirchlichen Beruf ansprechen wollt. Ehrenamtliche und Hauptamtliche, achtet aufeinander und überfordert euch nicht!“ und wünschte sich „eine weite Verbreitung und rege Diskussion des Thesenpapiers in den Gemeinden, Kirchenkreisen und Konventen“.

Diesem Wunsch trägt die neue EKMintern-Reihe zu den Herausforderungen der Personalarbeit in Rechnung. Wir werden in den Heften von März bis Juni 2019 einzelne Thesen vorstellen. Wir tun das mit dem Ziel, der von der Landessynode erbetenen Debatte eine weitere Form zu geben. Neben den herkömmlichen Möglichkeiten des Austauschs im persönlichen Gespräch, in Leitungsgremien und Konventen unserer Kirche bieten wir Ihnen eine direkte Kommunikation über diese Seite an. Ab sofort können Sie hier miteinander und mit uns, den Personalverantwortlichen in der EKM, ins Gespräch kommen.

Auf eine offene, lebendige und fruchtbare Debatte freut sich

Ihr
Oberkirchenrat Michael Lehmann


Thesen

1. „Künftig bewerben sich Firmen bei jungen Mitarbeitern, nicht umgekehrt.“
Dies gilt auch für die Kirchen, diese Erfahrung machen wir auch im Zusammenhang mit unseren Aufnahmeverfahren. Die jungen Leute, die den Vorbereitungs- oder Entsendungsdienst in der EKM anstreben, wollen nicht um jeden Preis Karriere machen. Sie wollen einen interessanten Arbeitsplatz, sie wollen allerdings auch Familie und Beruf miteinander verbinden.

2. Wir werben aktiv für den Pfarrberuf. Auf der Homepage „Das volle Leben“ können sich interessierte Jugendliche umfassend über das Studium, den Vorbereitungsdienst und das Berufsprofil eines Pfarrers bzw. einer Pfarrerin informieren. Interessenten können sich auf die Homepage der EKM weiterleiten lassen und sich so auch über die Ausbildungswege zum Pfarrdienst und zum ordinierten gemeindepädagogischen Dienst in der EKM sowie über die späteren Aufgabenfelder umfangreich informieren.

3. Wir sehen die Notwendigkeit, mit dem Aufbau einer Kirchlichen Studierendenbegleitung an den Universitätsstandorten der EKM unsere Aktivitäten im Bereich der Nachwuchsgewinnung für unsere Landeskirche zu intensivieren. Zwei Pfarrpersonen, je eine in Jena und Halle, werden diese Aufgabe übernehmen. Beide werden neben der Nachwuchsgewinnung zukünftig auch die Kontaktflächen zu Theologiestudierenden (Begleitung von Gemeindepraktika, Ortskonvente, Stipendiatenbegleitung, Seelsorge, Bindung durch Dialog, Resonanzraum für Lebensfragen, Berufung klären, geistliche Begleitung etc.) verstärken.

4. Der Evangelisch-Theologische Fakultätentag und die EKD haben gemeinsam eine Rahmenstudienordnung und Rahmenprüfungsordnung für den Weiterbildungsstudiengang Evangelische Theologie mit dem Abschluss „Master of Theological Studies“ beschlossen. Ziel des Studiums ist es, einen wissenschaftlichen Abschluss zu erwerben, der neben dem grundständigen Studium der Theologie oder der Gemeindepädagogik / Religionspädagogik für den kirchlichen Vorbereitungsdienst qualifiziert. Damit wird zukünftig EKD-weit ein weiterer regulärer Weg in den Pfarrdienst eröffnet.

5. Eine besondere Möglichkeit, Verantwortung für den kirchlichen Nachwuchs zu übernehmen, sind die von kirchlichen Stiftungen der EKM getragenen vier evangelischen Studienhäuser an den Hochschulstandorten Halle und Jena mit insgesamt ca. 200 Wohnheimplätzen: in Halle das Evangelische Konvikt in den Franckeschen Stiftungen, das Reformierte Convict und das Schlesische Konvikt, letzteres mit einem Schwerpunktangebot für Studierende der Kirchenmusik, und in Jena das Karl-von-Hase-Haus. In ihnen leben und studieren vorwiegend Studierende der Theologie und der Kirchenmusik, aber auch anderer Fachrichtungen, und fördern somit das Zusammenleben und den interdisziplinären Austausch innerhalb einer christlichen Lebensgemeinschaft.

Sie kommen als Teamplayer und treffen auf Erwartungen, als „König“ oder „Königin“ zu agieren. Sie sind hochengagiert, aber nicht mehr bereit, rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen und das ist gut so.

1. In den letzten Jahren ist eine Generation in den kirchlichen Dienst eingetreten, für die die Situation von Kirche in einer überwiegend konfessionslosen Gesellschaft normal ist. Sie haben es nicht anders erlebt: Sie gehen unbefangen damit um; selbstbewusst und anspruchsvoll.

2. Sie haben keine Berührungsängste mit Vereinen, legen Wert auf eine Abgrenzung ihres Dienstes, sorgen dafür, Zeit für sich und mit der Familie zu haben. Sie trauen sich auch mal zu sagen: Das mit den normalen Sonntagsgottesdiensten, das ist nicht mehr das Zentrum. Sie haben berechtigte Ansprüche an Leitung und vermissen diese immer wieder, insbesondere klare Auftragsklärungen und die Bereitschaft zum Umgang mit Konflikten.

3. Manche Gemeinden verharren in alten Erwartungsbildern. Sie wollen nicht sehen, dass sich das Berufsbild der Ordinierten schon lange wandelt.

4. Die „Jungen“ wollen im Team arbeiten und bringen dafür viel Know-how mit. Sie können und wollen viel. Aber sie sind nicht fertig. Auch sie sind angewiesen auf geschwisterliches Miteinander, unter Kolleginnen und mit Vorgängern und in den Gemeinden, damit sie ihre Wege gehen können und es auch möglich ist, hier und da ohne Angst vor Gesichtsverlust zu scheitern.


Kommentar (1)

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    Wie wir mit Ihren Beiträgen umgehen

    04.02.2019 22:30:39

    Sie können jederzeit Ihre eigenen Gedanken, Argumente und Meinungsäußerungen einreichen - haben aber keinen Anspruch auf deren Veröffentlichung. In unserer Rolle als Moderator dürfen wir einzelne Inhalte und ganze Diskussionsstränge jederzeit ohne weitere Begründung verwerfen oder entfernen, wenn uns dies in unseren Abwägungen inhaltlich oder rechtlich geboten erscheint. Denn wir wollen ein offenes, freundschaftliches und respektvolles Diskussionsklima.


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