12.01.2024
Diakonie fordert Tariftreue für öffentliche Aufträge

Halle (epd). Die Diakonie Mitteldeutschland fordert, öffentliche Aufträge nur an Firmen mit tariflicher Bindung zu vergeben.

Die Regelung, dass der günstigste Anbieter den Zuschlag erhalte, fördere niedrige Löhne, sagte deren Vorstandsvorsitzender Christoph Stolte am Mittwochabend in Halle. Ostdeutschland gehöre europaweit zu den Regionen mit dem größten Niedriglohnsektor. In Sachsen-Anhalt umfasse er etwa rund ein Viertel aller Beschäftigten.

Rund ein Fünftel der Bevölkerung in Ostdeutschland sei von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Die Armutsrisikoquote sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagte der Diakonie-Chef. Haushalte mit geringem Einkommen hätten nicht von Lohnzuwächsen profitiert. Die gesellschaftliche Ungleichheit wachse.

Stolte äußerte sich auch zu Kritik an der Bürgergelderhöhung. Zum 1. Januar dieses Jahres sind die Regelsätze in der Sozialhilfe und beim Bürgergeld um rund zwölf Prozent gestiegen. Dass der Abstand zwischen Bürgergeld und Arbeitseinkommen zu gering sei, liege an einem zu großen Niedriglohnsektor.

Rund ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland gilt laut Diakonie als armutsgefährdet. Die Armutsrisikoquote von unter 18-Jährigen liege in Sachsen-Anhalt bei gut 25 Prozent, in Thüringen bei knapp 24 Prozent, hieß es. Die von der Bundesregierung geplante Kindergrundsicherung sei jedoch finanziell unzureichend ausgestattet. Stolte sprach von einer verpassten Chance. „Kinder können sich nicht selbst aus der Armut befreien“, sagte der Diakonie-Chef.

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