Ein Himmelreich auf Erden | Gigantisches Rundbild in Leipzigs Panometer zeigt "Carolas Garten - Eine Rückkehr ins Paradies"

Von Katrin Schreiter (epd) Auf einer Blüte sitzen und eine 25 Meter große Biene beobachten, wie sie eine extrem vergrößerte Kamillenblüte bestäubt und Nektar sammelt - ab Samstag sehen die Besucher in Leipzigs Panometer die Natur aus der Perspektive eines Insekts. Das 360-Grad-Panorama "Carolas Garten - Eine Rückkehr ins Paradies" zeigt die Schönheit der Flora und Fauna als das Himmelreich auf Erden.

Mit diesem wundervollen Mikrokosmos auf 3.500 Quadratmetern Leinwand thematisiert Yadegar Asisi zugleich die großen Fragen des Lebens: Wer sind wir und woher kommen wir? Welche Dinge sind wirklich wichtig im Leben eines Menschen?

Für den in Sachsen aufgewachsenen und in Berlin lebenden Künstler ist die überwältigende Schönheit der Erde seit Jahren ein wichtiges Thema und Anliegen: "Dabei liegt die Genialität zumeist im Banalen, im Selbstverständlichen, wie eben in einem Kleingarten."

Gewaltige Blütenblätter und riesige Staubgefäße, ein vergessener Turnschuh und eine Katze, die auf der Lauer liegt. Wie durch eine riesige Lupe eröffnet sich die normalerweise vertraute Umgebung eines Gartens auf ungewöhnliche Weise. Der Betrachter befindet sich inmitten der hundertfach vergrößerten Welt, ist von ihr umgeben und ein Teil von ihr. Die einzigartige Vielfalt des Lebens erscheint so in einem anderen Licht. Unterstützt wird die Illusion von einer passenden Geräuschkulisse: Es summt, brummt und zwitschert. War das ein leiser Donner? Kündigt sich ein Gewitter an?

Mensch und Natur, Werden und Vergehen, Farbe und Licht - all das sind Aspekte der Ausstellung, zu der neben dem Rundgemälde außerdem noch etwa 100 Arbeiten, Aquarelle, Zeichnungen, Acrylmalerei, Fotografien sowie ein zwölfminütiger Film gehören.

Für das Projekt stand der Garten Pate, der der ehemaligen Asisi-Mitarbeiterin Carola gehörte, die 2015 gestorben ist. "Sie war eine Gärtnerin - in jeder Hinsicht. Hegend, kümmernd, voller Achtsamkeit. In ihrem Garten ebenso wie im Panometer", erinnert sich Asisi. Mithilfe seines Teams hat er sich in den vergangenen drei Jahren Carolas "Energiepool" erschlossen. Dabei kamen für ihn erstmals völlig neue Techniken wie Nano- und Makrofotografie sowie die Arbeit mit einem Raster-Elektronenmikroskop zum Einsatz.

In der künstlerischen Umsetzung hat Asisi die Szenerie stark verdichtet: Er stellt Elemente nebeneinander, die in der Natur nicht zeitgleich auftreten würden. So thematisiert das Panorama zum Beispiel alle vier Jahreszeiten. Doch die Elemente sind so selbstverständlich miteinander verbunden, dass der Bildfluss auf dem 110 Meter langen und 32 Meter hohen Rundbild völlig natürlich erscheint.

Alles im grünen Bereich? "Nicht am Anfang des Projekts", verrät der 63-Jährige. "Der Besuch in Carolas Garten hat viele Fragen aufgeworfen und mich zutiefst berührt. Ich wollte verstehen, was sie daran so geliebt hat", erzählt er weiter. "Heute weiß ich: Der Garten ist die deutlichste Allegorie für die menschliche Seele. Es ist die tröstlichste Metapher für das menschliche Werden, Wachsen und Vergehen. Das hat sie mir beigebracht."

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