Evangelische Schulstiftung: Kein Meinungsverbot für Lehrer

Erfurt (epd). In den in einigen Bundesländern praktizierten AfD-Meldeportalen für missliebige Lehrer sieht die Evangelische Schulstiftung in Mitteldeutschland einen Angriff auf die Debattenkultur und die Kernkompetenzen der Schulen.

Politische Bildung sei in den Schulen heute wichtiger denn je, sagte Stiftungs-Vorstand Marco Eberl am Dienstag in Erfurt. Sie brauche verschiedene Perspektiven und die Debatte, in die Schüler wie Lehrer auch ihre politische Meinungen einbringen dürften, so der Kirchenrat.

Wichtige Richtschnur für die politische Bildung an den Schulen der Stiftung sei der Beutelbacher Konsens: Das, was kontrovers ist, müsse auch in der Schule kontrovers dargestellt werden. Dabei sollen die Schüler aber nicht überwältigt werden. Aus diesem Überwältigungsverbot erwachse jedoch kein Meinungsverbot für die Lehrkräfte, stellte Eberl klar.

Die Lehrer könnten und sollten nicht neutral sein. Auch ihre Positionen helfen den Schülern, eine eigene Meinung zu finden. "Doch diese Debatten brauchen Offenheit und Vertrauen. Ein solcher Aufruf zur Denunziation schadet der Vertrauensbeziehung zwischen Lehrkräften und Schülern, und er schadet dem Schulklima", sprach sich der Stiftungs-Vorstand deutlich gegen die AfD-Portale aus.

Die Thüringer AfD verzichtet bisher auf die Einrichtung einer derartigen Online-Plattform. In einem Ende Oktober verschickten offenen Brief an Schulen, Elternsprecher und die Verwaltung hat die Partei nach eigenem Bekunden auf den hohen Stellenwert der Neutralitätspflicht an den Schulen hinweisen wollen. Dieser Brief war von Lehrerverbänden und Gewerkschaften als Einschüchterungsversuch gewertet worden.

Gegen die Portale hatte sich zuvor auch deutschlandweit großer Widerstand geregt. So hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, das Meldeportal als Aufruf an Minderjährige, Lehrer zu denunzieren, bezeichnet. Diese hätten zudem keine Möglichkeit, sich zu wehren oder zu klären, ob an den Vorwürfen etwas dran sei.

Die Evangelische Schulstiftung ist der größte freie Schulträger in Mitteldeutschland. In 25 Stiftungseinrichtungen - darunter Kindergärten, Grundschulen, Regelschulen und Gymnasien - leben und lernen nach ihren Angaben 5.200 Kinder und Jugendliche in Thüringen und im Süden Sachsen-Anhalts.

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