20.03.2020
Glockengeläut soll Christen ermutigen | Ausbreitung des Coronavirus hat sich in Thüringen etwas beschleunigt

Erfurt (epd). Als "größte Herausforderung unserer jüngeren Geschichte" hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Corona-Pandemie bezeichnet.

Das Virus breite sich mit großer Geschwindigkeit in Europa, in Deutschland und auch in Thüringen aus, sagte er am Donnerstag in einer Fernsehansprache, deren Ausstrahlung am Abend im Anschluss an das "Thüringen-Journal" um 19.25 Uhr geplant war.

Er wolle sich direkt an die Thüringer wenden, um sie über die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu informieren, begründete Ramelow seinen Schritt in die Öffentlichkeit. Eine Umfrage von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Erfurt hatte ergeben, dass nur 40 Prozent der Thüringer damit rechneten, sich mit dem Virus anzustecken. Experten schätzen die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, dagegen doppelt so hoch ein.

Einen drastischen Appell richtete der Generalvikar des Bistums Erfurt, Raimund Beck, an die katholischen Seelsorger im Land. Sie sollten sich an das halten, was die Behörden erließen. Beck, nach Bischof Ulrich Neymeyr der höchste Repräsentant des Bistums, warnte ausdrücklich davor, "die besseren Virologen" sein zu wollen und sich an Spekulationen über den Fortgang der Krise zu beteiligen.

In seinem Schreiben an alle Kirchen des Bistums Erfurt untersagte der Generalvikar alle öffentlichen Gottesdienste. Stattdessen sollen die Priester "stellvertretend für die Gläubigen die Heilige Messe unter Ausschluss der Öffentlichkeit" feiern. Um den Gläubigen wenigstens von Ferne eine innere Anteilnahme zu ermöglichen, würden bei diesen Messfeiern die Wandlungsglocken läuten. Auch das dreimal tägliche Läuten zur Gebetszeit des Angelus und das Sonntagsgeläut seien beizubehalten. "Zusätzlich werden an jedem Sonntag und vor allem am Ostersonntag bistumsweit um 10 Uhr die Glocken in allen Kirchen geläutet, um die Auferstehungsbotschaft kundzutun", ordnete Beck an.

Für die Protestanten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gilt seit Montag bereits ein Gottesdienst-Verbot. Es betrifft Sonntagsgottesdienste sowie Tauf- und Trau-Gottesdienste. Ausnahmen gelten allein für Trauerfeiern, die im engen Familienkreis am Grab stattfinden können, informierte die Landeskirche.

Das Bildungsministerium kündigte an, dass die Termine für die diesjährigen Abiturprüfungen verschoben werden. Ursprünglich war ihr Beginn für den 30. April vorgesehen. Ein neuer Termin soll nun in Konsultation mit den Gesundheitsbehörden und der Kultusministerkonferenz gefunden werden, sagte Minister Helmut Holter (Linke). Alle anderen Prüfungstermine blieben von der Entscheidung zunächst unberührt.

Die Ausbreitung des Coronavirus hatte sich am Donnerstag in Thüringen etwas beschleunigt. Es seien 26 Neuinfizierte registriert worden, teilte die Staatskanzlei in Erfurt mit. Am Mittwoch waren es 16 gewesen. Die Gesamtzahl der Infizierten sei damit auf 108 gestiegen. Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Patienten liege nun bei neun (Mittwoch: sieben). Schwere Krankheitsfälle mit Aufnahme auf einer Intensivstation oder künstlicher Beatmung seien von den Krankenhäusern weiterhin nicht gemeldet worden, hieß es im täglichen Corona-Bulletin der Staatskanzlei.

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