"House of One" startet mit Bauvorbereitungen | Rabbiner Nachama: "Interreligiöses Friedensprojekt"

Berlin (epd). Das in Berlin geplante Drei-Religionen-Haus "House of One" nimmt weiter Gestalt an. Am Mittwoch wurde ein Pavillon abgebaut, der seit einem Jahr als Platzhalter diente, wie die Stiftung House of One mitteilte. Mit dem Abbau der Holz-Plexiglas-Konstruktion würden die Vorbereitungen der Bauphase für den neuen Sakralbau beginnen.

Am 14. April 2020 soll demnach der Grundstein für das weltweit vielbeachtete Projekt gelegt werden. Das "House of One" soll unter einem Dach eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee beherbergen.

Auch die Finanzierung des Drei-Religionen-Hauses kommt einem Medienbericht zufolge voran. Das Land Berlin wolle das Projekt mit acht Millionen Euro fördern, sagte Kulturstaatssekretär Gerry Woop (Linke) am Mittwoch dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Die entsprechenden Beschlüsse würden zurzeit vorbereitet, zitiert der Sender den Staatssekretär.

Für die Errichtung des "House of One" werden der Stiftung zufolge insgesamt 43,5 Millionen Euro veranschlagt. Weltweit seien bislang rund 8,5 Millionen Euro Spenden eingegangen. Weitere zehn Millionen Euro stellt der Bund zur Verfügung, wenn das Land einen ähnlich hohen Betrag zahle, hieß es. Zudem hätten mehrere Mäzene weitere Großspenden zugesagt. Die verbleibende Lücke von fünf Millionen Euro solle mit Crowdfunding und Spendenaktionen geschlossen werden, erklärte die Stiftung.

Für die Errichtung des Drei-Religionen-Hauses wird laut Stiftung mit einer Bauzeit von drei Jahren gerechnet. In den kommenden Monaten sollen Archäologen den künftigen Bauplatz untersuchen und die Gründungsarbeiten für das "House of One" beginnen. Unter anderem müssten rund 70 über 30 Meter lange Betonpfeiler in den Boden gebohrt werden, um den Baugrund in der einst sumpfigen Flussaue in der Berliner Mitte zu stabilisieren. Erst dann könne der Bau des "House of One" auf den Fundamenten der einstigen St. Petri-Kirche beginnen, hieß es. Die DDR-Regierung hatte das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert und damit Berlins älteste Kirche sprengen lassen. Auf den Grundmauern soll nun das Drei-Religionen-Haus entstehen.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Rabbiner Andreas Nachama, betonte auf der Finissage am Mittwoch, der Abbau des Pavillons "ist ein wichtiger Schritt hin zur baulichen Vollendung unseres interreligiösen Friedensprojekts". Weiter unterstrich er, dass die Initiatoren, also Juden, Christen und Muslime, bereits seit mehreren Jahren im interreligiösen Dialog aktiv seien und damit einen "Beitrag zu mehr Verständnis, Toleranz und Miteinander in unserer Gesellschaft" leisten wollen.

Der Tag der geplanten Grundsteinlegung fällt auf den Jahrestag der Uraufführung des Theaterstücks "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781). Das Stück um Humanismus, Aufklärung und Toleranz zwischen den drei Religionen wurde am 14. April 1783 keine hundert Meter vom Berliner Petriplatz entfernt aufgeführt.

"Damals öffnete sich Berlin für die erste Aufführung von Lessings wichtigem, damals sehr umstrittenen Werk, heute sind wir dankbar dafür, dass sich Berlin wieder öffnet, dieses Mal für das 'House of One'" sagte Präsidiumsmitglied Imam Kadir Sanci. Pfarrer Gregor Hohberg, betonte, dass diese Offenheit über die drei Religionen hinausgehe, ins "House of One" seien auch Atheisten, Religionssucher sowie andere Religionen zum Dialog eingeladen.

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