Kirchliche Hilfswerke starten Spendenaktionen

Stuttgart/Wiesbaden (epd). Mit Festgottesdiensten haben die beiden großen Kirchen am ersten Advent ihre Spendenaktionen zu Weihnachten eröffnet. Die evangelische Hilfsorganisation "Brot für die Welt" stellt ihre Kampagne im Jubiläumsjahr unter das Motto "Hunger nach Gerechtigkeit". Es ist die 60. Spendenaktion des Hilfswerks.

Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel mahnte in einem live in der ARD übertragenen Gottesdienst in Stuttgart: "Ohne Gerechtigkeit wird der Hunger bleiben." Die katholische Adveniat-Aktion unter dem Motto "Chancen geben - Jugend will Verantwortung" ist jungen Menschen in den von Armut und Gewalt beherrschten Regionen Lateinamerikas gewidmet.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) betonte in einem Grußwort, in unserer satten Wohlstandsgesellschaft würden die allermeisten den Hunger nach Brot zum Glück nicht mehr kennen. "Aber ein Verlangen nach Gerechtigkeit schon. Und das Bedürfnis, Notleidenden zu helfen." Jesu Gerechtigkeit bedeute mehr als Wohlstand, nämlich auch Gemeinsinn und Verantwortung für den Nächsten. "Ob wir wollen oder nicht, heute hat diese Verantwortung eine globale Dimension", so Schäuble.

Die weltweiten Partner von "Brot für die Welt" wurden im Gottesdienst von Colin Gonsalves vertreten, einem indischen Menschenrechtsanwalt und Träger des alternativen Nobelpreises. Er hat mit einer Musterklage vor dem indischen Verfassungsgerichtshof das "Recht auf Nahrung" erstritten. "Jugendliche aus Deutschland, reist zu den Armen dieser Welt und helft ihnen, das wird euch für ein ganzes Leben prägen", sagte Gonsalves.

Unter dem Motto "Brot für die Welt" hatten evangelische Landes- und Freikirchen erstmals am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle zu Spenden für die Hungernden weltweit aufgerufen. Das Hilfswerk sammelte bislang rund 2,4 Milliarden Euro an Spenden und Kollekten. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Spendeneinnahmen auf 61,8 Millionen Euro. Zudem erhielt das Hilfswerk 54,7 Millionen Euro aus kirchlichen Mitteln und 147,3 Millionen Euro vom Entwicklungsministerium. "Brot für die Welt" fördert mehr als 1.500 Projekte in 97 Ländern.

In der Wiesbadener Jugendkirche KANA begann am Sonntag die Weihnachtsaktion des katholischen Hilfswerks Adveniat. Wenige Wochen vor dem katholischen Weltjugendtag in Panama soll mit Hilfe der Spenden ein Beitrag dazu geleistet werden, dass die Jugendlichen eine Perspektive außerhalb von sozialem Elend oder Jugendbanden haben.

"Noch nie war die Welt so bedroht, so gefährlich und gewaltvoll wie heute", sagte der Limburger Bischof Georg Bätzing. Armut und soziale Ungerechtigkeit trieben junge Menschen auf Abwege. "Eine echte Chance bekommen, heißt gute Bildung, verlässliche Beziehungen und Freundschaften, gesundes Leben, sauberes Wasser, saubere Luft, Arbeit und Auskommen."

Das Lateinamerika-Hilfswerk finanziert sich zu 95 Prozent aus Spenden, vor allem aus der Weihnachtskollekte. Im vergangenen Jahr wurden damit etwa 2.200 Projekte mit einem Volumen von rund 38 Millionen Euro gefördert.

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Brot für die Welt   Foto: epd bild/ Jörg Sarbach