31.08.2022
Kurschus begrüßt weltweite Christenheit in Deutschland: Welt-Ökumene-Gipfel in Karlsruhe beginnt

Mit Grußworten und einem Gottesdienst ist heute in Karlsruhe die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) eröffnet worden.

Zu der neuntägigen Versammlung, die unter dem Leitwort „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“ steht, kommen mehr als 4.000 Christinnen und Christen aus rund 120 Ländern zusammen, um gemeinsam zu beten, zu beraten und zu feiern. „Die Liebe Christi ist keine Gefühlsduselei, sie ist eine Praxis: tatkräftig, verwegen, mutig, widerständig“, so die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus im Eröffnungsplenum. Denn auch eine Liebe, die alles ertrage, alles glaube und alles hoffe, dulde nicht alles. „Liebe duldet keinen Angriffskrieg. Dem widerspricht sie. Wenn es Versöhnung und Einheit geben soll, dann nicht ohne diese Wahrheit. Um der Liebe Christi willen will ich glauben und hoffen, dass ein starkes Zeugnis dafür von Ihrer Versammlung ausgeht.
 
In ihrem Grußwort hob die EKD-Ratsvorsitzende zugleich die Symbolkraft des Tagungsortes Karlsruhe hervor: „Diese Stadt ist für uns in Deutschland zumindest ein klitzekleiner Vorposten des Reiches Gottes: Weil hier nach Kräften die Menschenwürde hochgehalten und verteidigt wird. In Karlsruhe, am Bundesverfassungsgericht, hat Artikel 1 unseres Grundgesetzes seinen Hort: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Jedes Menschen Würde, unabhängig von Herkunft, Glaube, Geschlecht, Klasse oder sexueller Orientierung! Diesen Satz haben die Mütter und Väter des demokratischen Deutschlands ganz nach vorn gestellt, vor, unter und über alle anderen Gesetze, als Nazideutschland überwältigt und zusammengebrochen war und das Morden in den Gaskammern und auf den Schlachtfeldern ein Ende hatte. Nicht: Deutschland über alles. Nicht: Nation, Volk, Geld über alles. Sondern: Die Menschenwürde über alles! Ich wage zu behaupten, dass Jesus sagen würde: Ihr seid nicht fern vom Reich Gottes mit diesem Bekenntnis. Denn ja, es ist ein Bekenntnis, ein Glaubenssatz, eine Kampfansage an die millionenfache Antastung menschlicher Würde, die einen schier verzweifeln lässt“, so die EKD-Ratsvorsitzende vor den Delegierten.  „Es ist dies die säkulare Form dessen, was wir glauben, dass uns in den angetasteten, entrechteten, unter Gewalt leidenden Menschenbrüdern und -schwestern Christus begegnet und uns zur Liebe ruft.“
 
Die Vollversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium des ÖRK und zugleich die umfassendste Zusammenkunft von Christinnen und Christen weltweit. Sie tritt in der Regel alle acht Jahre zusammen.
 
Die 11. Vollversammlung des ÖRK findet auf gemeinsame Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der Union der Protestantischen Kirchen von Elsass und Lothringen (UEPAL) und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz in Karlsruhe (Deutschland) statt.
 
Die Evangelische Kirche in Deutschland wird in der Versammlung durch eine zwölfköpfige Delegation vertreten. Ihr gehören unter anderem die EKD-Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber sowie Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt (Nordkirche) und die Landesbischöfe Friedrich Kramer (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) und Heinrich Bedford-Strohm (Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern) an.
 
Am Nachmittag hält Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Ansprache bei der Vollversammlung. Um 17.30 Uhr findet auf dem Festplatz in Karlsruhe der Eröffnungsgottesdienst mit dem griechisch-orthodoxen Patriarch Antiochien und dem gesamten Osten, Johannes X., statt.


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