Mitteldeutsche Kirche wird zehn Jahre alt | Bischöfin Junkermann: "Sich selbst groß zu feiern, ist sehr zwiespältig"

Erfurt/Magdeburg (epd). Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) verzichtet zu ihrem zehnten Gründungsjubiläum auf eine große Feier. Das Jubiläum werde zusammen mit dem Neujahrsgottesdienst am 1. Januar in der Marktkirche in Halle (Saale) begangen, sagte Landesbischöfin Ilse Junkermann dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt.

"Sich selbst groß zu feiern, ist sehr zwiespältig", betonte die Bischöfin, die auch die Predigt halten wird. Neben ihr wollen die Präsidentin des Landeskirchenamtes, Brigitte Andrae, der Präses einer Kreissynode sowie ein kirchlicher Mitarbeiter kurze persönliche Rückschauen auf zehn Jahre EKM geben, kündigte Junkermann an.

Die mitteldeutsche Kirche sei dezentral in vielen Regionen aufgestellt. An das zehnjährige Bestehen solle nicht nur einmal, sondern immer wieder erinnert werden, sagte die Bischöfin, die die EKM 2019 verlässt. Es sei wichtig zu zeigen: "An diesem Jubiläum sind alle beteiligt, nicht nur die Zentrale." Sie selbst sei "voller Freude, dass wir dieses erste gemeinsame Wegstück geschafft haben." Das betreffe den Aufbau der Strukturen, die Personen, aber auch die Verteilung der Mittel.

Zudem sieht die Bischöfin in den sogenannten Erprobungsräumen einen gelungenen Impuls zur Innovation. Beispielhaft nannte sie die Pilger- oder die Bienenkirche, das Sozialkaufhaus oder die Hettstedter Schulgemeinde, in die sich die Kinder hineintaufen lassen können. Das gehe nicht ohne Konflikte, "aber dort, an der Schule, ist ihre christliche Heimat, die sie in ihren Dörfern oft nicht mehr finden", sagte Junkermann.

Die Bischöfin, die im August aus ihrem Amt ausscheidet, machte aber auch noch unerledigte Themen aus. "Bei der Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte ist das letzte Wort lange nicht gesprochen", sagte sie. Es gebe in den Kirchengemeinden noch unsichtbare Mauern, die Opfer und Täter von einst bis heute trennten. So leicht falle diese Unterscheidung oft auch nicht, weil kein Mensch ohne Schuld sei. Schade findet sie es, dass bei den innerkirchlichen Debatten über die Zukunft die Zahlen zu oft im Mittelpunkt standen. Hier hoffe sie auf mehr Einmischung vor Ort und auf den nötigen Mut zur konzeptionellen Arbeit.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) war zum 1. Januar 2009 aus dem Zusammenschluss der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen mit der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen entstanden. Das Gebiet der EKM umfasst vor allem Regionen in Thüringen und Sachsen-Anhalt, aber auch in Brandenburg und Sachsen. Insgesamt hat sie etwa 700.000 Mitglieder. Geleitet wird die EKM von der Landessynode mit 80 Mitgliedern und vom 22-köpfigen Landeskirchenrat. Bischofssitz ist Magdeburg, in Erfurt befindet sich das Landeskirchenamt.

Bischöfe würdigen zehn Jahre EKM: Noack und Kähler sehen künftige Kirchenfusionen aber eher skeptisch

Erfurt/Magdeburg (epd). Zehn Jahre nach Bildung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat Bischöfin Ilse Junkermann die seither aufgebauten Strukturen gewürdigt. Sie sei "voller Freude, dass wir dieses erste gemeinsame Wegstück geschafft haben", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt. Das betreffe den Aufbau der Strukturen, die Personen, aber auch die Verteilung der Mittel. Die EKM will das Jubiläum zusammen mit dem Neujahrsgottesdienst am 1. Januar in der Marktkirche in Halle (Saale) begehen. Die EKM war zum 1. Januar 2009 aus der Fusion der Landeskirche in Thüringen mit der Kirchenprovinz Sachsen hervorgegangen.

Auch die beiden Alt-Bischöfe der Vorgängerkirche zeigten sich mit dem bisher Erreichten zufrieden. Die Bilanz der ersten zehn Jahre sei "eigentlich nicht schlecht", sagte Axel Noack (Kirchenprovinz) der in Weimar erscheinenden mitteldeutschen Kirchenzeitung "Glaube + Heimat" (Ausgabe zum 3. Januar 2019). Sein früherer Thüringer Amtsbruder Christoph Kähler, mit dem er am 15. Februar 2008 in Wittenberg den Fusionsvertrag unterzeichnet hatte, ergänzte: "Die EKM ist heute eine Kirche in verschiedenen Regionen und spricht in der Öffentlichkeit mit einer Stimme."

Kähler räumte aber ein, den Verlust der Eigenständigkeit bis heute kaum verwunden zu haben. Mit "Thüringen" sei ein überschaubarer Raum und ein Heimatgefühl verbunden, das sich bei größeren Entfernungen nicht so leicht einstelle. Auch Noack verbindet mit der Fusion nicht nur angenehme Erinnerungen. Als "bitter, weil ziemlich ungeistlich und menschlich schwer belastend", habe er es empfunden, als es bei den Verhandlungen um Themen wie die Standorte für Kirchenamt oder den Bischofssitz ging. "Toll fand ich die Erarbeitung einer gemeinsamen Kirchenverfassung, auch da wurde gestritten, aber nicht in Lagern, sondern quer durch die Reihen", sagte er der Kirchenzeitung.

Beide sehen weitere Kirchenfusionen eher skeptisch. Die Veränderung von kirchlichen Strukturen werde es aber wohl weiter geben, meinte Noack. Jede Zusammenführung von Landeskirchen setze eine gegenwärtige oder bald eintretende Notsituation voraus, sagte Kähler. Ein Zusammenschluss von großen und gut aufgestellten Landeskirchen wäre daher ein Experiment, "das so unnötig ist wie ein Kropf", sagte er der Kirchenzeitung.

Vor zehn Jahren hatten die beiden Vorgängerkirchen die Verwendung von 200 Millionen Euro aus dem Vermögen der Kirchenprovinz zunächst ausgeklammert. Erst die jüngste Herbstsynode im November beschloss den künftigen Umgang damit. Die gefundene Lösung bezeichnete Junkermann im epd-Gespräch als angemessen. Das Geld komme zu 90 Prozent allen zugute, sagte sie. Es werde eingesetzt, um die laufenden Haushalte in Zukunft von den Versorgungskosten für die Ruheständler zu entlasten. "Die Mittel, die die Gemeinden und Kirchenkreise der früheren Kirchenprovinz befristet für die kommenden zehn Jahre noch erhalten, sind nachvollziehbar. Das sind Gelder, die sie durch Einsparungen erwirtschaftet haben", betonte Junkermann.

Die Bischöfin, die im August aus dem Amt scheidet, machte aber auch einige noch unerledigte Themen aus. "Bei der Aufarbeitung unserer eigenen Geschichte ist das letzte Wort lange nicht gesprochen", sagte sie. Es gebe in den Kirchengemeinden noch unsichtbare Mauern, die Opfer und Täter von einst bis heute trennten. So leicht falle diese Unterscheidung oft auch nicht, weil kein Mensch ohne Schuld sei. Schade findet sie es, dass bei den innerkirchlichen Debatten über die Zukunft die Zahlen zu oft im Mittelpunkt standen. Hier hoffe sie auf mehr Einmischung vor Ort und auf den nötigen Mut zur konzeptionellen Arbeit.

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