24.03.2023
Nordportal am Halberstädter Dom wird untersucht und restauriert

Halberstadt (epd). Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und die Fachhochschule Potsdam setzen in einem gemeinsamen Projekt die Untersuchungs- und Restaurierungsarbeiten am Dom zu Halberstadt (Sachsen-Anhalt) fort.

In einem auf drei Jahre angelegten Projekt wollen Wissenschaftler und Studenten am mittelalterlichen Nordquerhausportal bestehende Schäden erfassen und restaurieren. Das Portal gilt insbesondere wegen Umweltschäden als gefährdet.

Der Baudirektor der Kulturstiftung, Ralf Lindemann, sagte bei der Vorstellung der Arbeiten am Donnerstag: „Das Projekt wird die Grundlage für eine spätere Restaurierung sein.“ Er fügte hinzu: „Das Nordquerhausportal wird künftig der neue Haupteingang des Domes, der barrierefrei erschlossen ist.“

Jeannine Meinhardt, Professorin für Konservierung und Restaurierung an der FH Potsdam, hatte im Oktober vergangenen Jahres begonnen, gemeinsam mit ihren Studenten die Schäden am Nordportal zu erfassen und zu dokumentieren. Diese Arbeiten sollen bis zum Sommer dieses Jahres abgeschlossen sein, hieß es.

Die Professorin wies insbesondere auf die enge Verbindung von Ausbildung und Praxis hin. So erhielten ihre Studenten die Möglichkeit, auf einer „sehr komplexen Baustelle“ theoretische Kenntnisse praktisch anzuwenden. „Wir wollen den Praxisanteil im Studium erhöhen“, sagte sie bei der Vorstellung des Projekts am Donnerstag.

Der Fokus der aktuellen Arbeiten liege auf der naturwissenschaftlichen Erforschung der Nordfassade, erläuterte Meinhardt. Die Erfassung und Katalogisierung der Schäden soll die Grundlage für spätere kunsthistorische Arbeiten rund um das Portal bilden.

Insbesondere durch Schwefeldioxidbelastungen bis in die 1980er Jahre haben sich an der reich verzierten Fassade starke Verkrustungen gebildet, erklärte die Restauratorin. „Der verbaute Kalkstein wurde an der Oberfläche durch den Schwefel zu Gips umgewandelt“, ergänzte Baudirektor Lindemann. Dadurch komme es zu Ablösungen und zum Verlust der Bauzier.

Zugesetzt haben der Fassade laut Jeannine Meinhardt auch Staub und Schmutz sowie Verunreinigungen durch Vogelnester in den Zwischenräumen der zahlreichen Verzierungen. Auch Flechtenmoose an der Fassade würden mittlerweile zum Problem, sagte die Potsdamer Professorin.

Unter der Leitung der Restauratorin Corinna Grimm-Remus finden bereits seit 2014 studentische Projekte am Halberstädter Dom mit den beteiligten Hochschulen in Köln und Potsdam statt, hieß es. So wird auch das aktuelle Projekt über ein Förderprogramm an der FH Potsdam finanziert.

Der Halberstädter Dom gehört zu den bedeutendsten gotischen Kathedralen in Deutschland. Er beherbergt den größten mittelalterlichen Domschatz außerhalb des Vatikans. Das Nordportal war im Mittelalter dem Domkapitel vorbehalten. Es ist geschmückt mit einem Lebensbaumkreuz und einem Tympanon, also einem Schmuckfeld über dem Türsturz, das den Marientod zeigt.

epd-Nachrichten und Fotos sind urheberrechtlich geschützt. Sie dienen hier ausschließlich der persönlichen Information. Jede weitergehende Nutzung, insbesondere ihre Vervielfältigung, Veröffentlichung oder Speicherung in Datenbanken sowie jegliche gewerbliche Nutzung oder Weitergabe an Dritte ist nur mit Genehmigung der Verkaufsleitung von epd (verkauf@epd.de) gestattet.


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar