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Diskussionsforum zum Berufsbild „Pfarrerin/Pfarrer in der EKM“

Die Uni Greifswald hat die Informations- und Konsultationstage 2019 zur „Greifswalder Studie“ ausgewertet.
Hier der Link zum Download: IEEG - Auswertung Info-Tage 2019 Schweizer-Herbst

Die Anfragen an die gegenwärtige Situation des Pfarrberufs sind drängend.
Deshalb: Die Diskussion in unserer Kirche muss weitergehen.

Wir laden Sie herzlich ein: Diskutieren Sie mit - hier und jetzt!


Liebe Pfarrerinnen und Pfarrer,
liebe ordinierte Gemeindepädagoginnen und ordinierte Gemeindepädagogen,

wir, das Personaldezernat im Landeskirchenamt der EKM, wollen Ihre Meinung wissen: Wie denken Sie über die Zukunft des hauptberuflichen ordinierten Amtes in unserer Landeskirche?

Zur Erinnerung: Im August 2019 wurden in der Studie „Stadt, Land, Frust? Eine Greifswalder Studie zur arbeitsbezogenen Gesundheit im Stadt- und Landpfarramt“ die Ergebnisse einer Befragung veröffentlicht, die die physische und psychische Belastung im Pfarrberuf in den Fokus nahm und 2016 in der EKM als Vollbefragung stattfand.

Am 12., 13. und 15. November 2019 trafen sich in Halle, Neudietendorf und Stendal insgesamt ca. 180 Pfarrerinnen und Pfarrer, ordinierte Gemeindepädagoginnen und -pädagogen zu Informations- und Konsultationstagen. Lebhaft wurden Aspekte von Berufsbild und Berufspraxis diskutiert.

Wir haben viele Flipcharts gefüllt, die wir an das Team des Greifswalder IEEG übergeben haben. Die, gehindert und betroffen von der Pandemie, haben uns nun das Ergebnis unserer Gespräche zur Verfügung gestellt: konsolidiert, systematisiert und zugespitzt. Drängende Fragen werden ins Licht gerückt. Nicht allein pastoraltheologische Reflexionen, sondern konkrete Reformen werden angemahnt. Sie betreffen etwa die Dienstzeiten, die Formen parochieübergreifender Zusammenarbeit, konkrete Verwaltungsentlastung, die Dienstwohnungspflicht, eine Weiterbildungspflicht …, mehr noch: ein verändertes Bild von Pfarrperson und Gemeinde – folglich nicht weniger als einen Mentalitätswandel in der Kirche.

In der letzten Zeit haben wir uns im Personaldezernat den Themen Personalentwicklung, Mitarbeitendenjahresgespräche, Dienstvereinbarung, Dienstwohnung, Pfarramtsübergabe und Interimsdienst gewidmet, haben Betroffene und Experten an den Tisch geholt und miteinander nach angemessenen und praktikablen Lösungen gesucht. Erste Ergebnisse liegen vor, weitere folgen noch in diesem Jahr.

Dessen ungeachtet haben die Greifswalder recht: Nicht nur um Verordnungen und Handreichungen geht es – einen Mentalitätswandel wollen wir befördern.

Wir laden Sie ein mitzudiskutieren: Schreiben Sie uns, schicken Sie uns Ergebnisse aus der Diskussion in Ihren Konventen, Dienstberatungen, Freundeskreisen – und diskutieren Sie hier auf der Website mit uns und untereinander.

Auf welches Berufsbild wollen wir zugehen? Was müssen wir ändern? Wo braucht es unser Beharren? Wie denken Sie über die Zukunft des hauptberuflichen ordinierten Amtes in unserer Landeskirche?

Auf die Debatte mit Ihnen freut sich, im Namen des Personaldezernats,
Ihr Michael Lehmann


Kommentare (18)

  • 18

    Inside the box

    08.03.2021 19:07:51

    Viele Kommentare auf dieser Seite zeigen, dass gerade Kirchenälteste und andere ehrenamtlich engagierte Menschen den Pfarrberuf nicht losgelöst von dessen Bindung an eine Gemeinde denken (übrigens mathematisch "eine", nicht fünf oder mehr). Pfarrer ist nicht, wer nach theologischer Qualifikation die Handlungsfelder 1 bis 4 ausfüllen kann, sondern wer "Repräsentant von Gottes Vaterherz gegenüber seinen Schäfchen" ist (#11). Die Diskussion ums Berufsbild ohne die Ältesten zu führen, wird kritisch hinterfragt, weil doch diese so eng an den Pfarrberuf angedockt seien. Das ist genau das, wovor es mich bei diesem Diskurs gruselt: Dass die EKM am Ende doch bei dem Pfarrer als Betreuer der Hochverbundenen (nach KMU) hängen bleibt. Mich interessiert aber auch brennend, warum das Herz so vieler Menschen hier so innig für eine quasi Personalgemeinde aus Ehrenamtlichen schlägt. Viele Ausführungen erinnern mich viel mehr an freikirchliche Gemeinden und Methodisten als an evangelische Landeskirchen - und die dabei herbeigesehnte Pfarrerfigur eben auch. Wie schon so lange zeichnen sich drei Lösungen ab: A) Die Verbindung von Pfarrberuf und Kirchengemeinde auflösen, z.B. indem alle Pfarrer spezialisierte Kreispfarrstellen bekleiden. B) Diejenigen Pfarrer "machen", die von den GKR gewünscht werden. C) Diejenigen Kirchenältesten "machen", die von den Pfarrleuten gewünscht werden.


  • 17

    Also doch Betreuungskirche?

    13.02.2021 11:35:57

    Höre ich bei den beiden (leider anonym verfassten) Beiträgen 15 und 16 die Vermutung raus, dass sich die Mehrheit der Gemeindeglieder keine Beteiligungs- sondern eine Betreuungskirche wünscht? Ich weiß es nicht, aber es könnte was dran sein. Obwohl die Trennlinie bei den Vorstellungen von Kirche nicht zwischen Gemeindegliedern und Pfarrerschaft verläuft (wie in den Beiträgen intendiert), sondern eher quer dazu. Wäre ja mal ein Gedankenexperiment wert durchzuspielen, was es bedeuten würde, voll auf das Modell Betreuungskirche zu setzen. Heiner Urmoneit


  • 16

    Pfarrer: Priester und Pastor - kirchl. Amtsperson - Beruf - Job?

    10.02.2021 06:33:18

    Was ist denn nun ein Pfarrer von seiner Ordination her, zu der er sich ja einmal bekannt hat: Vor Gott; der Kirche; der Gemeinde; vor sich selbst? Als Laie finde ich mich da nicht durch! Ich kenne viele Pfarrer, die belächeln den Gemeindehirten-Pastor als antiquiert. Sie sprechen lieber von der "mündigen Gemeinde" und vom "Priestertum aller Gläubigen" - müssen aber zugeben, das ist zumindest auf dem Land mehr Vision als Wirklichkeit. Hier in den Beiträgen 5;10;11 lese ich von den "Schäfchen": denen soll es gut gehen und sie möchten Nähe erfahren. Da ist also in der Gemeinde der Wunsch und die Erwar-tung, einen Pastor zu haben. Und wenn der Pfarrer die Sakramente spendet, Menschen segnet und Seelsorge übt - dann ist er ein Priester. Wenn der Pfarrer aber als Priester und Pastor ein Mann Gottes ist, dann ist er doch kein gewöhnlicher Berufstätiger, geschweige denn einer, der seinen Job macht, oder? - Wo hat sich denn nun der Burnout eingenistet, der ja die Spitze des Eisberges ist und alle dazu-zählen muss, die auf dem Weg dahin sind? Sollte er auch bei den Priestern und Pastoren zu finden sein? Spätestens hier wird sich die Kirchenleitung auf "ärztliche und seelsorgerliche Schweigepflicht" berufen. - Pfarrer klagen das Recht auf Privat- und Familienleben und geregelte Arbeitszeit von einer 54-Stunden-Woche ein. Sie wissen, dass die meisten Werktätigen einen 9-Stunden-Arbeitstag haben (Arbeitszeit und Fahrzeit). Wenigstens an dieser Stelle müssen sie es sich vom Volk gefallen lassen, als elitär abgestem-pelt zu werden. Das sind Symptome eines kranken und gefährdeten Berufsstandes (S.14). Und "Ohne eine Änderung des Kirchen- und Gemeindebildes ... wird auch der Pfarrdienst nicht gesünder (S. 3). Immerhin wird das hier ja kirchlicherseits eingestanden. Wäre es da nicht ehrlich und konsequent, die schwer angeschlagenen Brüder und Schwestern aus ihrem Dasein herauszuholen und zur Therapie und Erholung zu beurlauben? Und: Wie will man mit einer im Berufsstand "gefährdeten" (S. 14) Mannschaft die vom Bischof geforderte Strukturreform angehen? Sie wird nicht gelingen! (Die Seitenzahlen beziehen sich auf das Papier "Resonanz auf die IEEG Studie 'Stadt, Land, Frust' ...", Greifswald 2020, die ja dem Diskussionsforum zum Berufsbild "Pfarrerin/Pfarrer in der EKM" beigegeben ist)


  • 15

    Das Gemeindebild

    08.02.2021 06:38:31

    Wenn ich mir die Pfarrstellen-Ausschreibungen im Amtsblatt ansehe, was Gemeinden da von einem neuen Pfarrer erwarten und sich wünschen, dann bringt mich das auf den Gedanken: Liebe Kirchenlei-tung, befragt doch mal die 80 % der inaktiven Gemeindeglieder, die ja immerhin Kirchensteuern zahlen, was sie von einem Pfarrer erwarten: Wie soll er als Mensch sein; was soll er tun und was soll er nicht tun; was soll erkönnen und was muß er nicht können usw. - Mich beschleicht die Ahnung, dass die in der Pfarrerschaft geführte Diskussion um ein reformiertes Pfarrerbild an der Wirklichheit vieler Gemeindeglieder vorbeigeht, die vielerorts ja gar nicht wissen, was in Kirche vor sich geht. - Mir scheint, "die Chemie zwischen Pfarrerstand und "die Gemeinde" stimmt vielerorts nicht. Diese bösen Sprüche von Pfarrern "Die Gemeinden müssen weg von ihrer Kirchturmpolitik und ihrer Versorgungsmentalität!" Was nun aber, wenn Gemeinden das nicht wollen!? Und so den "pastoralen Burnout" weiter fördern? Was wären die Konsequenzen? - Viele Gemeindeversammlungen sind "geschlossene Gruppen", in ein Ghetto zurückgezogen; aus 20 % aktiver Gemeindeglieder macht man flugs 100 %. Wenn da nicht die 80% wären, die zwar inaktiv aber immerhin noch nicht ausgetreten sind, deren Geld Kirche braucht...


  • 14

    Lässt sich Mentalitätswandel steuern?

    07.02.2021 13:06:33

    Irgendwie dreht sich die Diskussion im Kreis: Klar können die Probleme des ordinierten Dienstes nur dann gelöst werden, wenn nicht an den Symptomen rumgedoktort wird, sondern sich grundlegend etwas ändert, also das, was mit dem etwas unglücklichen Begriff "Mentalitätswandel" beschrieben wird (lässt sich Mentalität gezielt ändern?). "Leitbilddiskussionen" gibt es schon lange, aber der große Wurf ist bis jetzt nicht gelungen. Bleiben also doch nur die genannten Stellschrauben, das Lindern der Symptome? Ich will das nicht unterschätzen, denn es sind konkrete Schritte, die viel Entlastung im Arbeitsalltag bringen können. Der Mentalitätswandel ist ohnehin längst in Gang, nur dass wir ihn nicht oder nur sehr begrenzt steuern können. Es sind einfach gesellschaftliche Trends und Veränderungen, die auch vor Kirchenmitgliedern im Allgemeinen und ordinierten Hauptamtlichen im Besonderen nicht Halt machen. So können oder wollen Pfarrerinnen und Pfarrer aus verständlichen Gründen (z.B. wegen der Berufstätigkeit von Partnerinnen oder Partnern) nicht mehr ohne weiteres in einer Dienstwohnung leben, und sie haben das Bedürfnis nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Das muss nicht allen gefallen, aber die Trends sind nun mal so. Einige Anmerkungen zu ein paar der genannten "Stellschrauben": Viel liegt meiner Erfahrung nach an der persönlichen Selbstorganisation und Selbstsorge: Z.B. private Termine konsequent in den Kalender schreiben, auf den freien Tag achten (ist laut Urlaubsverordnung § 14 Rechtsanspruch), ab und zu Nein sagen können usw.. Im Predigerseminar bekamen wir damals mit auf den Weg: Vergessen Sie Ihre Freundschaften nicht! Ich glaube, das war einer der weisesten Sätze in der Ausbildung. Rechtfertigungsdruck habe ich selbst noch nicht empfunden (teilweise aber auch nicht drum geschert), aber da sind die Erfahrungen unterschiedlich. Supervision und Fortbildung sollten die zuständigen Ebenen sehr großzügig gewähren, auch das Achten auf die Weiterbildungspflicht finde ich wichtig, und es darf nicht daran scheitern, wenn ich selbst keine Vertretung finde - hier habe ich persönlich allerdings noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber die Superintendentinnen und Superintendenten sind, denke ich, ohnehin schon in der Pflicht, sich ggf. zu kümmern. An der Arbeitszeit-Schraube zu drehen, bringt nichts. Die 54-Stunden-Woche ist nur ein Orientierungswert, um Teilzeitstellen oder kombinierte Arbeitsbereiche irgendwie angemessen abzubilden und vor Überlastung zu schützen. Ansonsten habe ich als Ordinierter überhaupt keine festgelegte Arbeitszeit. Eine wie auch immer geartete Reduktion der Arbeitsstunden würde ins Leere laufen, denn wenn ich meine Tätigkeit als sinnvoll und erfüllend erlebe, schaue ich ohnehin nicht zur Uhr und bin hinterher vielleicht müde, aber nicht ausgelaugt. Umgekehrt schützt auch eine 40-Stunden-Woche nicht unbedingt vor Burnout. Persönlich würde ich das Zählen der Stunden als Einengung empfinden, ebenso wie zu detaillierte Dienstbeschreibungen. Das ist eben auch eine Mentalitätsfrage. Heiner Urmoneit


  • 13

    Viel weiter

    05.02.2021 13:00:33

    Danke für diese Diskussionsseite hier. Das Feld ist weit. Sehr weit. Und so weiß ich ehrlich gesagt nicht, was ich hier zuerst schreiben soll. Die Reflexion meines Berufes gehört für mich zu einem Bestandteil des Berufs selbst. Und nun habe ich hier dieses kleine Texteingabefeld vor mir. Und ich denke, irgendwas stimmt hier nicht. Ich denke auch an die unendlichen Stunden an intensivsten Gesprächen mit den vielen klugen KollegInnen. Ich denke an die vielen Umformungsversuche der eigenen Arbeit, die es schon realitätserprobt gibt. Das passt hier alles nicht rein. Ist nicht alles schon da? Liegt nicht schon alles auf dem Tisch? Und muss das alles wirklich durch dieses Eingabefeld hier durch? Oben ist ja auch berichtet von den vielen vollgeschrieben Flipcharts und Moderationskarten. Ich kann es nicht mehr zählen, wieviel Moderationskarten mit Zukunftsvisionen ich schon vollgeschrieben habe. Das ist immer diese Stimmung des anfangenden Gesprächs. Dieser Modus des Meinungen habens und Ansichten äußerns. Nein, ich glaube, die Berufsexperten sind schon weiter. Über das "eine Meinung zum eigenen Beruf haben" hinaus. Die könnten morgen anfangen, anders zu arbeiten. Ohne fertiges Konzept. Aber sie würden wissen, was sie tun. Mein Vorschlag: Die Landeskirche lädt zehn dafür begabte PfarrerInnen für eine Woche in ein Tagungshaus ein. Vielleicht auch mehrmals. Und gibt ihnen nur die Aufgabe, aufzuschreiben, was sie brauchen. Eine Vision und einen Prozess zu entwickeln. Die würden das tun. Es würde was Wunderbares rauskommen. Und am Ende wird die Frage stehen, wie wird es Wirklichkeit. Und an dieser Stelle gibt es einen Irrtum. Einen Denkfehler. Beziehungsweise eine notwendige Unterscheidung. Ja, Veränderungen und Mentalitätswandel geschieht nur durch die sozialen Akteure. Nicht durch Verordnungen. Das gilt aber nur, wenn dieser Handlungsspielraum auch tatsächlich da ist. Dann müsste man dieses schaffen. Z.B. einen ganzen Kirchenkreis zum Erprobungsraum erklären. So lange wir aber vom System der Behördenkirche reden, der geordneten Landeskirche, dann brauchts eben auch echte administrative Entscheidungen. Ein Landeskirchenamt kann sich nicht mit Verweis aufs freie Spiel herausreden. Ein Landeskirchenamt schreibt Gesetze und Verordnungen. Für Mentalitätswandel brauchts Leute, die man machen lässt. Und dafür brauchts in der jetzigen Kirche die Verordnungen. Die Organisation muss ihre Veränderungen organisieren. Christian Buro


  • 12

    Pfarrer sind Menschen

    02.02.2021 12:54:00

    Was dem allgemeinen Pfarrerbild zuerst fehlt, ist etwas Demut: Nicht der Feder in der Hand Shakespeares gebührt der Ruhm, sondern dem genialen Geist, der sie antreibt. So sind auch wir Pfarrer (im besten Falle!) Werkzeuge des Hl. Geistes, um sein Wort laut werden zu lassen in der Welt. Pfarrer sind Menschen wie alle anderen auch; sie haben darum auch ganz ähnliche Bedürfnisse und Grenzen wie alle anderen Menschen auch. Auch sie können nicht alles, sondern eben nur das, was sie auch gelernt haben - und das ist zuerst Theologie und dann vor allem Liturgik, Predigtlehre und Seelsorge. Und nicht Verwaltung oder Bauleitung. Auch sie wollen einen guten privaten Rückzugsraum, d.h. eine schöne Wohnung. Auch sie wollen irgendwann einmal planbar Freizeit - und nicht immer wieder über den einen Tag diskutieren, den sie wöchentlich frei haben dürfen. Auch sie wollen Sonntag abend mal einfach auf dem Sofa sitzen. Auch sie haben nur 24-Stunden-Tage, an denen sie nicht allen Wünsche der Gemeinde - und oft auch nicht ihrem eigenen Anspruch - gerecht werden können. Sie sind von Herzen Dankbar für alle Unterstützung von Landekirche, Kirchenkreis, Kreiskirchenämtern und vor allem den Kirchenältesten, die ihnen die vielfältigen Aufgaben in der Gemeindearbeit zu bewältigen helfen; ja auf deren tatkräftige Unterstützung sie auch angewiesen sind. Und sie sind schließlich optimistisch, dass Gottes Geist seine Kirche vielleicht verändern, aber auf jeden Fall erhalten wird. - Pfarrer Dr. Michael Beyer


  • 11

    Schade oder Chace?

    31.01.2021 23:03:32

    Ich finde es gut, dass es hier die Möglichkeit gibt, sich gedanklich einzubringen, da ich und wir als GKR in unseren Gemeinden dazu beitragen wollen, dass es den „Schäfchen“ gut geht. Das Ziel vieler GKR ist es, zum Gedeihen der Gemeinden beizutragen, die Menschen vor Ort zu sehen, mit all ihren Bedürfnissen und Wünschen, die freilich nicht alle bedient und erfüllt werden können. Manchmal fühlt man sich als GKR und Ehrenamtlicher ganz schön abgehängt. Man versucht mit viel Enthusiasmus Gutes zu erreichen und am Ende wird man, gefühlt als Arbeitstier abgehängt. Es macht mich traurig, dass ich als GKR wenig wirklich zur Gemeindebildung und zum geistlichen Wachstum der Gemeinde beitragen kann. Vielmehr hält man sich statt für die Menschen und Gott da zu sein damit auf, verwalterische Aufgaben ausfüllen zu müssen, denen kein GKR und kein auzusendender Pfarrer gewachsen ist. Die vielen Aufgaben lenken so oft von den eigentlich wichtigen für die Menschen und ihre Wohlbefinden relevanten Themen ab. Man schlägt sich mit tausenderlei Friedhofssatzungen und Baumaßnahmen herum und hat kaum mehr Zeit für die Menschen vor Ort da zu sein. Ich fände es gut und wichtig, wenn sich die Pfarrer um ihre Schäfchen kümmern könnten, wenn Sie Zeit und Nerven hätten, das Vaterherz Gottes für Ihre Gemeinden zu repräsentieren und zu offenbaren. Wir haben gute und beseelte Pfarrer, die ihre Ämter gut und geistreich ausfüllten, würden sie nicht von Verwaltung aufgefressen. Vielleicht wäre es nützlich, das Pastorenamt von einigen der Verwaltungstätigkeiten zu befreien, damit die guten Verkündiger, die fähigen Evangelisten und die liebenden Fürsorger wieder Herz, Zeit und Verstand für Ihre Gemeinden offen haben könnten. Vielleicht wäre es Zeit, den Ehrenamtlern die Hoffnung zurückzugeben, dass sie in ihrer Gemeinde Sichtbares bewegen könnten, was die Menschen in ihrem Umgeld weiterbrächte. Die Zukunft der Kirche liegt in ihren Mitgliedern, in den Menschen. Sie sind diejenigen, die Gott, die Jesus im Blick hatte. Jesus hat doch nicht mannigfaltigen Verwaltungsaufgaben gefrönt wenn Menschen seines Zuspruchs bedurften. Und das heißt nicht, dass wir diese Aufgaben geringschätzen oder dass sie überflüssig und abkömmlich wären. Ich denke, dass Kirche Aufgaben und Zuständigkeiten auseinanderdifferenzieren müsste. Ein guter Verwalter muss nicht zugleich ein guter Pastor oder Evangelist sein. Ein guter Pastor muss aber auch nicht gleich ein toller Buchhalter, Bauherr, Datensicherheitsbauftragte, Ersthelfer . . . sein müssen. Die Glieder am Leib Christi und die Gaben, die Gott uns allen gegeben hat, sind uns doch gegeben, damit jeder etwas beizutragen habe und keiner alles können muss. Warum lassen wir die Pfarrer nicht als Pastoren, Evangelisten, Prediger, Lehrer aufgehen, die ein Herz für die Menschen haben? Ich weiß, dass Verwaltung gut und wichtig ist, dass auch das Amt des Verwalters zum Pfarrberuf gehört. Es zeichnet sich jedoch zunehmend ab, dass Verwaltungsangelegenheiten die Gemeinden überfordern. Bei all den Verwaltungstätigkeiten bleiben die Menschen auf der Strecke, die Jesus so nicht abgehängt hätte. Sein Herz blutetet sowie das vieler Haupt- und Ehrenamtler in den Gemeinden, für die Menschen. Er hat seine Gegenüber zuerst gesehen. Da ging es nicht in allererster und vordringlicher Linie um Verwaltung von . . . Ich wünsche mir für unsere Kirche eine Wahrhaftigkeit im biblischen Sinne, dem Pastor den Raum, das verlorene Schaf statt des Haushalts zu suchen, den GKR die Möglichkeit neben den vielen Verwaltungsaufgaben auch Gemeinde zu bauen, denn dafür sind viele angetreten, den Gemeindegliedern Gegenüber, die Gott widerspiegeln statt Überforderung, die unermessliche Liebe Gottes, die die Menschen sieht, Ein offenes Herz und ein offenes Ohr für die Basis, und einen ehrlichen und offenen Umgang mit den Problemen und Sorgen in der Kirche. Wir kennen die Probleme und ahnen die Sorgen. Aber wo nicht gesprochen wird, gibt es kein Miteinander. Mir ganz persönlich wünsche ich Menschen, die mit Begeisterung Bücher führen, Zahlen kennen, Bauvorschriften studieren und ein Herz für Verwaltungstätigkeiten haben dies für mich und meine Gemeinde machen, offene ehrliche Gegenüber, denen die Menschen vor Ort so am Herzen liegen wie mir und unseren GKR. Ich finde es toll, so viele unterschiedlich begabte Menschen zu erleben und würde die Begabungen Ernst nehmen, da dann für alle eine enorme Erfolgswahrscheinlichkeit bestünde. K. Schiecke


  • 10

    Pfarrberuf in Zukunft

    29.01.2021 15:42:57

    Ich denke der Gesundheitszustand der Pfarrer auf dem Land ist schlechter. Viele Dörfer, viele Fahrzeiten machen es ihnen schwer, nah an den Schäfchen zu sein. Ich denke Gemeindepädagogen können grundsätzlich Erzieher, Sozialpädagoge sein. Der Glaube und die Identifikation mit dem christlichen Glauben halte ich für viel wichtiger. Der Markt ist aber auch in dem Sektor leer gefegt.


  • 9

    Wer kann Gemeindepädagoge/in werden?

    28.01.2021 21:54:05

    Aus Erfahrungen im Gemeindekirchenrat mit der Besetzung von Gemeindepädagogen-Stellen frage ich mich, ob die Zugangsvoraussetzungen für Bewerberinnen und Bewerber stimmig sind. Es scheint zu wenig Gemeindepädagogen in unserer Landeskirche zu geben. Jedenfalls habe ich es mehrmals erlebt, dass Gemeindepädagogenstellen mit guten Standortbedingungen (Stadt, 1 od. 2 Gemeinden) mehrmals ausgeschrieben werden mussten, weil es keine (geeigneten) Bewerber/innen gab. Daher frage ich mich, ob die Ausschreibungen nicht dahingehend geändert werden sollten, dass nur ein pädagogischer Abschluss gefordert wird - welcher Art auch immer. Eine religionspädagogische Weiterbildung könnte dann später ja noch nachgeholt werden. In unserer Gemeinde wurde das Problem so gelöst, dass eine ausgebildete Grundschullehrerin, die selbst aktives Gemeindemitglied war, für die Tätigkeit gewonnen wurde. Die Berufswirklichkeit in unserer Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Da lohnt es sich, auch mal in benachbarte Berufsfelder zu schauen: Pädagogen, Sozialpädagogen, Psychologen, Heilpädagogen, Coaches... Unter ihnen gibt es auch viele engagierte Christen. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst kein Theologe oder Gemeindepädagoge bin, sondern ehrenamtlich im GKR mitarbeite.


  • 8

    Zugang zum Pfarramt für Spätberufene ermöglichen

    28.01.2021 21:28:57

    Für "die Zukunft des hauptberuflichen ordinierten Amtes in unserer Landeskirche" wünsche ich mir, dass der Zugang zum Pfarrberuf für Menschen in einem höheren Lebensalter erleichtert wird. Oft erkennen Menschen nicht schon mit 18 oder 19 Jahren, wenn die Studienwahl ansteht, dass sie für den Beruf als Geistliche/r berufen sind. Dann ist es sehr schwer, nach bereits absolviertem Studium quer einzusteigen. Viele nutzen die Möglichkeit der Prädikantenausbildung/KFU, aber sie führt nie zu einem gleichwertigen berufsqualifizierenden Abschluss, obwohl dort oft sehr gute Leute sitzen.


  • 7

    Das kann Kirche besser

    28.01.2021 21:12:22

    Lieber Herr Lehmann, vielen Dank, dass Sie auf die Kritik reagieren, das ist nicht selbstverständlich. Ich hatte die Frage in Kommentar #2 gestellt und bewusst nicht das Wort elitär verwendet. Aber wie auch immer man zu diesem Begriff steht, der m. E. hier nicht aus dem Nichts aufscheint: Sie können gewiss verstehen, dass das Gesamtbild dieser Diskussionsseite aus Sicht „der kirchlichen Basis“ irritierend ist. Wie groß wäre z. B. der Aufwand, die Anrede zu erweitern, über ordinierte Kreise hinaus – wenn andere Stimmen denn tatsächlich erwünscht sind? Er ist gleich null, und es ist eine legitime Interpretation, dass diese Lücke etwas aussagt. Ich habe kein Problem damit, dass Pfarrer'innen und ord. Gemeindepädagog'innen diese Fragen „unter sich“ diskutieren, das ist freilich gut und richtig. Das entspricht auch der Personalverantwortung der Kirche. Aber ein zweiter Schritt muss folgen – denn wie jene auch Gemeindeglieder sind, sind Gemeindeglieder von dem unmittelbar betroffen, was hier verhandelt wird. Damit meine ich insbesondere ehrenamtlich Engagierte und in allererster Linie Gemeindekirchenrät'innen. Jede Veränderung im Berufsbild Pfarrer'in betrifft sie in einer Weise, die ihre ausdrückliche und signifikante Beteiligung an der Diskussion zwingend erforderlich macht. Das muss wie gesagt nicht im ersten Schritt erfolgen, wohl aber im zweiten. Meine Irritation rührt daher, dass ich nicht weiß, ob das hier ein solcher zweiter Schritt ist, bzw. ob und wo er folgen soll. Die Seite sendet widersprüchliche Signale. Ich wünsche mir aber von meiner Kirche, dass sie weiß, wie sensibel diese Kommunikation ist – denn diese ganz und gar nicht einfache Transformation hat ja längst begonnen und verursacht vielerorts schon Spannungen und Überforderung. Nicht zuletzt bei denen, die in gemeinsamer Verantwortung mit Ordinierten die Gemeinde leiten. Und deren Bereitschaft, Kompetenz, Liebe und Kraft in Zukunft gewiss noch mehr benötigt werden als jetzt schon und schon immer. Diese Leute haben oft ein vielfältigeres und genaueres Bild von den Veränderungen, die den Veränderungen des Berufsbildes Pfarrer'in überhaupt zugrunde liegen, als man meinen sollte. Viel mehr als nur überkommene Rollenerwartungen. Wäre es da nicht klug, alles zu vermeiden, wodurch sich gerade diese Brüder und Schwestern übergangen fühlen können? Wäre es nicht klug, mit einem neuen Bild von Gemeinde hier schon anzufangen, das auf Konzepte wie Teamarbeit, Teilen und Augenhöhe setzen muss? Ich spreche mal als Marketing-Mensch: Wenn ich einen Mentalitätswandel wünsche, muss ich ihm sofort Raum geben, muss ich mich in meiner Kommunikation stringent und glaubwürdig danach verhalten. Kirche als eine Institution des Wortes kann das, da bin ich mir doch ziemlich sicher. Vorschlag: Nehmen Sie sich Zeit, um eine Plattform zu gestalten, auf der wirklich alle willkommen geheißen werden, die mit dem Berufsbildprozess Pfarrer'in unmittelbar zu tun haben. Ich bin ganz sicher, dass sich das lohnen wird. Herzliche Grüße aus Kranichfeld Nils-Christian Engel


  • 6

    GemeindepädagogIn und KantorIn - Schnittstellen

    28.01.2021 20:36:59

    Als kirchliche Mitarbeiterin und Mitglied einer Gemeindekirchenrates in meiner Ortsgemeinde erlaube ich mir einfach auch mal, mich an der Diskussion zu beteiligen, weil ich es gut finde, dass Sie zur Meinungsbildung aufrufen! Beim Berufsbild der/des GemeindepädagogIn wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, ihn mit musikalischen/musikpädagogischen Elementen zu ergänzen. Da es in vielen Gemeinden nur entweder eine Kantorin oder einen Gemeindepädagogen gibt, wäre sozusagen ein Mix aus beiden Berufen wünschenswert. (Dem kann natürlich kein A-Musikstudium zugrunde liegen. Aber das braucht es für diesen Zweck ja auch nicht.) Denn in Gemeinden wird in der Kinder- und Jugendarbeit zum Beispiel oft ein Musical-Projekt oder Ähnliches gewünscht. Da ist es gut, wenn Gemeindepädagogen musikalisch oder Kantorinnen religionspädagogisch qualifiziert sind. Aber auch in der gottesdienstlichen Praxis oder der Arbeit mit Erwachsenen sind musikalische Fertigkeiten in dem Beruf von Vorteil.


  • 5

    Nähe zur Basis

    28.01.2021 18:23:59

    Ich bin in einer Pfarrersfamilie groß geworden und vermisse in den letzten Jahrzehnten die Nähe zur Basis. Ein Pfarrer sollte nicht nur dirigierend wirken, sondern sich in die Gemeinde einbringen und die Nähe zu seinen Schäfchen suchen. Sich nicht nur freuen, dass es Ehrenamtler gibt, sondern selbst mitwirken.


  • 4

    Natürlich sind alle zur Debatte eingeladen

    28.01.2021 17:24:31

    Liebe Disputanten, dieses Forum ist aus gutem Grund allgemein zugänglich. Denn natürlich betrifft die Frage, wie wir in unserer Kirche den Pfarrberuf ausgestalten und profilieren wollen, alle Gemeindeglieder. Zu denen freilich gehören Pfarrerinnen und Pfarrer und ord. Gemeindepädagoginnen und -pädagogen auch. Und auch ihnen sollte es möglich sein, sich zu Fragen ihrer eigenen Beruflichkeit und Berufssituation zu äußern. Die Debatte selbst sowie auch diejenigen, die den geistlichen Beruf ergreifen (oder zu ergreifen überlegen) schon mal als "elitär" zu geißeln, hilft - glaube ich - nicht weiter. Mir wär's lieber, wir könnten frei, also auch frei von Unterstellungen, diskutieren. Herzlich Michael Lehmann


  • 3

    Na am Menschen sein

    28.01.2021 13:14:55

    Wichtig wäre es in diesem Berufsbild nicht auf der Zwei-Seitensicht zu beharren: Hauptamt und Ehrenamt. Es gibt nur eine Seite. Mit Menschen arbeiten, auf diese zugehen können, Ehrenamt übernehmen. Einen elitären Beamten"club"braucht niemand. Auch das sollte anders werden.


  • 2

    Warum so exklusiv?

    28.01.2021 12:54:03

    Wäre es nicht ratsam, diese wichtige Diskussion nicht exklusiv im Kreis Ordinierter zu führen?


  • 1

    Wie wir mit Ihren Beiträgen umgehen

    22.01.2021 00:00:00

    Sie können jederzeit Ihre eigenen Gedanken, Argumente und Meinungsäußerungen einreichen - haben aber keinen Anspruch auf deren Veröffentlichung. In unserer Rolle als Moderator dürfen wir einzelne Inhalte und ganze Diskussionsstränge jederzeit ohne weitere Begründung verwerfen oder entfernen, wenn uns dies in unseren Abwägungen inhaltlich oder rechtlich geboten erscheint. Denn wir wollen ein offenes, freundschaftliches und respektvolles Diskussionsklima.


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