Video abspielen
Das Video wird von Youtube eingebettet. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Youtube.

24.02.2021
Fastenzeit-Impulse: "Freiheit" von Ralf-Uwe Beck

Freiheit. Was für ein Sehnsuchtswort. Und auf der Kehrseite randaliert die Unfreiheit. Das haben – jedenfalls wir Älteren – erlebt.

Wir haben uns im Herbst ’89 aus diktatorischen Verhältnissen befreit. Es ging uns ums tägliche Brot der Demokratie, um Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Dann fiel die Mauer. Wunder und Wahnsinn. Wir fühlten uns freigelassen und sind eingetaucht in die Konsum- und Reisefreiheit. Sind wir wieder aufgetaucht?

Viel ist von der revolutionären Kraft in den Supermarktregalen des Westens hängengeblieben. Waren wir angekommen im verheißenen Land, in dem Milch und Honig fließen? Mir hat eine Frau damals erzählt, sie habe zum Weihnachtsfest 1990 ihren Kindern endlich einmal alle Wünsche erfüllen können. Aber schon im Jahr darauf habe sie sich zurückgesehnt zu den früheren Weihnachtsfesten. Auch Ladenketten können gefangen nehmen. Jedenfalls tragen diese Freiheiten nur so weit wie der Dispo.

Das Freisein von etwas, sagt Dietrich Bonhoeffer, erfährt seine Erfüllung erst in dem Freisein für etwas. Freiheit und Verantwortung scheinen Geschwister, die in einer Demokratie, nun ja, wenigstens theoretisch, gemeinsam aufwachsen und eine Gesellschaft zum Blühen bringen. Das klingt pathetisch. Das soll es auch. Hier liegt unsere Menschenwürde verborgen. Die Idee der Demokratie ist doch, dass wir Entscheidungen, die uns betreffen, beeinflussen können – jederzeit. Das ist die eigentliche Freiheit. Frei sind wir also nur in dem Maße, in dem wir die Bedingungen, unter die uns die Gesellschaft stellt, verändern können. Für uns selbst, für andere, für uns alle. Das ist die Freiheit, die ich meine – und die kein Fasten verträgt.


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar