09.07.2021
Bachs Orgel begeht bedeutendes Jubiläum | Die Hildebrandt‐Orgel in Naumburg gehört zu den herausragendsten Instrumenten der Welt

Prachtvoll, mächtig und elegant thront sie hoch oben auf der dritten Empore unter der Kirchendecke in der großen Stadtkirche St. Wenzel zu Naumburg.

Schon der Anblick ihres reichhaltig verzierten weiß‐goldenen Prospekts ruft Staunen hervor – prächtiger kann man sich die Königin der Instrumente kaum vorstellen. Aber wer ihr wahres Geheimnis ergründen möchte, muss sie natürlich hören: „… und wer diese Orgel gesehen und gehöret, der ist niemals ohne Bewunderung davon hinweggegangen.“

So schrieb schon ihr erster Organist und Bachs Schwiegersohn Johann Christoph Altnikol über ihre Anziehungskraft, die auf Interpreten wie auf ihr Publikum bis heute ununterbrochen andauert. Die Hildebrandt‐Orgel gilt als die einzig authentisch erhaltene große Orgel, die Johann Sebastian Bach maßgeblich mitkonzipiert und vor 275 Jahren zusammen mit Gottfried Silbermann abgenommen hat. Gemeinhin wird sie zu den bedeutendsten Orgeln der Welt gezählt. Neben ihrer außergewöhnlichen Klangschönheit macht dies die Einzigartigkeit des besonderen Instrumentes aus. Denn in Naumburg lässt sich bis zum heutigen Tag erleben, welche Klangvorstellungen Bach von seiner Orgelmusik hatte – auf einer Orgel, die all seine Idealvorstellungen par excellence verwirklicht.

„Bei aller historischen Bedeutung, die man nicht groß genug einschätzen kann, sollte man nicht vergessen, dass die Hildebrandt‐Orgel schon zum Zeitpunkt ihrer Erbauung ein durch und durch visionäres Instrument war. Ihr unglaublicher Klangreichtum, die nicht enden wollende Farbvielfalt und ihr einzigartiger Charakter haben verschiedene Komponisten bis in die heutige Zeit immer wieder zu neuen Werken angeregt ‐ und regen sie weiterhin an “, sagt Wenzelsorganist Nicolas Berndt, der 2019 auf das prestigeträchtige Organistenamt gewählt wurde.

Und so wundert es kaum, dass nicht nur europäischen Konzertveranstalter, Aufnahmelabels und Orgelabteilungen von Musikhochschulen in Naumburg regelmäßig ein und ausgehen, sondern inzwischen Anfragen aus Fernost und Nordamerika zur Tagesordnung gehören. Die renommiertesten Interpreten der Welt fragen an, um an dieser Orgel Aufnahmen produzieren zu können , und auch eine amerikanische Elite‐Uni streamt inzwischen Vorlesungen von der Hildebrandt‐Orgel. In mehr als hundert Konzerten pro Jahr können mehrere tausend Besucherinnen und Besucher aus aller Welt die Hildebrandt‐Orgel erleben.

In der Konzertsaison von Mai bis Oktober erklingt sie mehrmals pro Woche in den halbstündigen Mittagskonzerten "Orgel punkt Zwölf". Hier kann auch der historische Spieltisch, den Bach unter seinen Händen hatte, besichtigt werden. In den großen Abendkonzerten des Internationalen Orgelsommer sind jeden Juli und August die Stars der Orgelszene zu Gast. Daneben findet alle zwei Jahre das Musikfestival "Hildebrandt‐Tage", u.a. mit Spitzenensembles für Alte Musik, anlässlich der historischen Orgelabnahme statt.

Passend zur Wahl der Orgel als „Instrument des Jahres 2021 “ hat Wenzelsorganist Nicolas Berndt mit der Reihe "Junge Talente" erstmals ein weiteres Konzertformat dem umfangreichen Konzertkalender hinzugefügt: „Nachwuchsförderung ist mir ein Herzensanliegen. Dazu gehört es einerseits , jungen Organistinnen und Organisten die Möglichkeit zu eröffnen, ganz wesentliche Erfahrungen für das Spiel von Bachs Orgelmusik sammeln zu können. Und diese Erfahrungen werden sie ein Leben lang prägen. Andererseits gilt es, jungen Künstlern ein Konzertpodium zu schaffen, um gehört zu werden – in dieser Zeit mehr denn je.“

Die Schirmherrschaft hierfür hat der Staats‐ und Kulturminister des Landes Sachsen‐Anhalt, Rainer Robra, übernommen. Über die Orgelabteilungen der Musikhochschulen hatte Berndt zur Bewerbung um die Konzertstipendien für das neue Format aufgerufen: „Die Resonanz war schlicht überwältigend. Sie zeigt, wie auch die regelmäßigen Anfragen großer Labels für umfangreiche Aufnahmeprojekte, welchen Status die Hildebrandt‐Orgel in der Musikwelt hat.“

Und so werden sich in der Saison 2021 junge Nachwuchsorganistinnen und ‐organisten verschiedener Nationen, die vielfach Preisträger internationaler Wettbewerbe sind, mit einem Programm ihrer Wahl an Bachs Orgel vorstellen. „Diese Orgel gehört zu den herausragenden Kulturschätzen Sachsen‐Anhalts, Deutschlands und auch Europas. Sie ist ein direktes Schaufenster in die Bach‐Zeit und macht Naumburg damit ohne Zweifel zu einem wichtigen Bach‐Ort.“

Konzertreihe „Junge Talente“ in Stadtkirche St. Wenzel Naumburg | Kulturminister Robra übernimmt Schirmherrschaft

Im Rahmen der Konzertreihe wird jungen Organistinnen und Organisten die Gelegenheit gegeben, an der berühmten Hildebrandt-Orgel zu konzertieren.

Das Instrument ist die einzige erhalten gebliebene große Bach-Orgel. Der Komponist Johann Sebastian Bach hat sie maßgeblich mitkonzipiert und im Jahr 1746 abgenommen.

Kulturminister Robra erklärte: „Mit großer Freude habe ich die Schirmherrschaft übernommen. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass junge Musikerinnen und Musiker in unserem Land eine Bühne bekommen, um ihr Können zu zeigen und sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Wenn es sich bei dieser Bühne um eine so bedeutsame und weit über unser Bundesland hinaus bekannte Orgel wie die Hildebrandt-Orgel in St. Wenzel handelt, erhält das Projekt eine besonders wertvolle Prägung.“

Für Wenzelsorganisten Nicolas Berndt gehört die Orgel  zu den herausragenden Kulturschätzen Deutschlands und auch Europas. „Sie erlaubt einen einzigartigen und vor allen Dingen authentischen Einblick in die Klangvorstellungen Bachs von seiner Orgelmusik. Damit macht sie Naumburg zu einem wichtigen Bach-Ort. Umso dankbarer bin ich dem Staatsminister für sein Engagement“, so Berndt.

Der Wenzelsorganist hat im Jahr 2020 mit der Reihe „Junge Talente“ erstmals ein weiteres Konzertformat zu dem bereits bestehenden, umfangreichen Programm hinzugefügt. Die Organisatoren haben sich zudem vorgenommen, ein Netzwerk einer neuen Generation von Organistinnen und Organisten zu knüpfen. In diesem Sinne versteht sich die Reihe nicht nur als Konzert-Format, sondern auch als internationale musikalische Bildungsarbeit.

Die jungen Musikerinnen und Musiker sollen nicht nur ihre musikalischen Fertigkeiten entwickeln, sondern auch in einer offenen Meisterklasse mit regionalen Interpreten in den Erfahrungsaustausch über die Orgelmusik Bachs treten. Dieser Austausch beschränkt sich nicht nur auf die Hildebrandt-Orgel in Naumburg, sondern bezieht auch andere Musik- und Wirkungsstätten sowie Instrumente in Sachsen-Anhalt und in der mitteldeutschen Kulturlandschaft ein.

Hintergrund:

Nicolas Berndt wurde im September 2019 auf die Stelle des Wenzelsorganisten gewählt. Das Amt gilt als eines der traditionsreichsten und renommiertesten Organisten-Ämter. Zugleich ist er auch Künstlerischer Leiter der Konzertreihen und des Festivals „Hildebrandt-Tage“. Der gebürtige Bonner ist Gewinner und Preisträger zahlreicher internationaler Orgelwettbewerbe und als Konzertorganist und Improvisator tätig. Daneben unterrichtet er an der Leipziger Musikhochschule und am Thomanerchor.

Die Hildebrandt-Orgel erleben in über hundert Konzerten pro Jahr mehrere tausend Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Außer in der Konzertreihe „Junge Talente“ erklingt sie mehrmals pro Woche von Mai bis Oktober in den Mittagskonzerten „Orgel punkt Zwölf“. In den großen Abendkonzerten des „Internationalen Orgelsommers“ sind jeweils im Juli und August die berühmtesten Vertreter der Orgelszene zu Gast in Naumburg. Daneben findet alle zwei Jahre das Musikfestival „Hildebrandt-Tage“ statt.

Das aktuelle Jahresprogramm findet sich auf der Website: https://hildebrandt-orgel.de/start.html


Mehr Fotos

Wenzelsorganist Nicolas Berndt  Foto: Stadt Naumburg / Torsten Biel

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