29.03.2021
Prachtvoll und klanggewaltig: Die Oesterreich-Orgel von Stadtlengsfeld

„Die Oesterreich-Orgel in der evangelischen Kirche zu Stadtlengsfeld ist ein Kulturgut von hohem Rang der ganzen Stadt."

Die Bedeutung erhält sie durch ihre einmalige Größe, Gestaltung und Klangqualität. Die Orgel wurde 1792 durch den Orgelbauer Johann Marcus Oesterreich aus Oberbimbach geschaffen und 1793 eingeweiht. Oesterreich baute insgesamt 34 Orgeln, vor allem in Thüringen, Franken, Hessen und Westfalen. Seine Stadtlengsfelder Orgel ist die größte und prachtvollste. Es gibt in ganz Deutschland nur noch fünf Oesterreich-Orgeln, die weitgehend original erhalten sind. Die hiesige Orgel ist in ihrer Originalität unübertroffen. Der nun eingetretene Zustand der Orgel gebietet eine umfassende Restaurierung.“

So steht es in der Satzung des Fördervereins zur Erhaltung der Oesterreich-Orgel in der evangelischen Kirche Stadtlengsfeld in der Rhön (Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach). Sechs Jahre lang, von 2012 bis 2018, wurde geplant und restauriert, um die kirchenmusikalisch und kulturgeschichtlich bedeutsame Oesterreich-Orgel zu erhalten. Die Vereinsmitglieder, die weiteren Helfer, die Orgelbauer und viele mehr, die an Benefizveranstaltungen, an Arbeiten in der Kirche und vielem mehr beteiligt waren, haben die prachtvolle Orgel für die kommenden Generationen gemeinsam gerettet. Das Motto ihres Projektes hat sich bewahrheitet: „Viele schaffen mehr“.

Im Jahre 1780 musste das bis dahin bestehende und 1538 errichtete Kirchenschiff abgerissen werden. Es war baufällig geworden, und inzwischen war es auch zu klein für die wachsende Zahl an Gemeindemitgliedern. 1790 wurde das neue Kirchenschiff im Baustil des Übergangs vom Barock zum Klassizismus fertiggestellt und eingeweiht. In dieses neue Kirchschiff baute 1792 Johann Marcus Oesterreich die heutige Orgel ein. 1793 wurde sie eingeweiht. Darauf weist die Jahreszahl im Prospekt der Orgel hin. Von allen seinen Orgeln ist Oesterreichs Stadtlengsfelder Orgel die größte und klangvollste. 1800 wurde die Orgel vom Erbauer repariert. 1917 mussten die originalen Zinnpfeifen im Prospekt ausgebaut und der Rüstungsindustrie zugeführt werden. 1922 erfolgte der Einbau von Ersatzpfeifen aus Zink, 1928 wurde ein Doppelmagazingebläse installiert.  Reinigung, Reparatur und Intonation fanden 1937 statt. Letztmalig wurde die Orgel 1986 zerlegt, gereinigt, konserviert, gestimmt und intoniert, bis zur Restaurierung im letzten Jahrzehnt.

Die Oesterreich-Orgel hat zwei Manuale, ein Pedal, 30 klingende Register, 1534 Pfeifen, einen breit ausladenden Prospekt mit 15 Feldern und reichem Blattrankenwerk. Architektonische Bedeutung besitzt die Orgel durch das zweimanualige Instrument auf Schleifladen, durch den breiten Rokoko-Prospekt, das beidseitig geteilte Hauptwerk mit anschließenden Harfenfedern, Flachfeldern und Pfeifentürmen. Ursprünglich befanden sich vier Keilbälge auf dem Dachboden über der Orgel.

Bleibt zu hoffen, dass das Meisterwerk der Mechanik und des Klanges bald wieder – nicht nur im Gottesdienst – sondern auch bei Konzerten erklingen und viele Menschen erfreuen kann.


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Orgel Stadtlengsfeld Manual/ Register  Foto: Rolf Leimbach Orgel Stadtlengsfeld  Foto: Rolf Leimbach Orgel Stadtlengsfeld Orgelübergabe  Foto: Rolf Leimbach Orgel 1930 Stadtlengsfeld  Foto: Rolf Leimbach

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