21.05.2021
Wieder zum Leben erweckt: Die Volckland-Orgel in Erfurt-Bindersleben

Nachdem das Kirchenschiff in Bindersleben in den Jahren 1737-1743 neu erbaut war, wurde 1751 mit dem Erfurter Orgelbauer Franciscus Volckland (1696-1779) ein Orgelbauvertrag abgeschlossen.

Ob das Können oder der günstige Preis den Ausschlag für die Vergabeentscheidung gab, lässt sich heute nicht mehr sagen. Volckland hatte wohl ein ansehnliches Vermögen, sodass er ein Gebäude mit Braurecht erworben hatte, was ihm Einkünfte nicht nur aus dem Orgelbau sicherte. Dadurch hatte er offensichtlich nicht den wirtschaftlichen Druck, wie viele andere Orgelbauer in Geschichte und Gegenwart. Volckland war einer der bedeutendsten Orgelbauer seiner Zeit in Thüringen.

Das Orgelwerk besitzt auf zwei Manualen und Pedal heute 24 Register. Dazu kommen Glockenspiel, Zimbelstern und Tremulant.

Nachdem die Kirche 1965 baupolizeilich gesperrt wurde, erklang die Orgel nicht mehr. Ein erstes ausführliches Gutachten erstellte Albrecht Lobenstein über das Instrument 2002. Trotz diverser Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte war ein sehr hoher Anteil aus der Erbauerzeit erhalten, und es war zu erahnen, war für ein prächtiges Instrument hier wieder erstehen konnte. Nach entsprechender Ausschreibung konnte die Firma Jehmlich Orgelbau Dresden gewonnen und im Jahr 2012 ein erster Bauabschnitt abgeschlossen werden. Erst Ende 2016, nach Abschluss der 4. Bauabschnittes, konnte als erster Teil der Orgel das Glockenspiel wieder in der Kirche erklingen. Bis zur Wiederweihe sollte es noch weitere zwei Jahre dauern.

Mit Geduld und Ausdauer, das Ziel nicht aus den Augen verlierend, wurde hier eine Orgel wieder zum Leben erweckt, welche von der besonderen Kunst des Thüringer Orgelbaus kündet und der Kirchengemeinde heute zum Lobe Gottes wieder zur Verfügung steht.

Viele weitere Informationen zum Instrument finden Sie unter https://jehmlich-orgelbau.de/orgelprojekte/erfurt-bindersleben-ev-st-lukas/ sowie in der „Festschrift zur Wiedereinweihung der Volckland-Orgel“ im September 2018.

Text: Christoph Zimmermann, EKM-Orgelreferent

 

Geduld und Beharrlichkeit: Der Orgelverein Bindersleben

Die Wendejahre um 1990 haben unsere St.-Lukas-Kirche in Bindersleben vor dem damaligen, schon beschlossenen Abriss gerettet. Gott sei Dank! Das Gebäude wurde gesichert, renoviert und die wunderbaren barocken Deckenmalereien restauriert. Nur die sehr wertvolle Volckland-Orgel, seit Jahrzehnten nicht mehr bespielbar, schlummerte weiter auf der Empore in ihrem ruinösen Zustand.

2008 beschloss das Kreiskirchenamt Erfurt, in unserer Gemeinde eine 25%ige Kirchenmusikerstelle einzurichten. Der Wunsch einer sehr engagierten Frauensportgruppe aus Bindersleben, einen Kirchenchor zu gründen, konnte mit dieser Stelle 2009 realisiert werden. Fröhlich wurde zu den Proben gesungen, aber auch über die Angelegenheiten der Kirchengemeinde diskutiert. Mit großer Begeisterung wurde die Idee unseres Kantors, die Orgel zu restaurieren, aufgenommen. Der größte Teil der Chormitglieder gründete 2009 einen Förderverein.  Mit viel Engagement und Enthusiasmus gingen wir ans Werk, suchten Sponsoren, schrieben Anträge und organisierten Benefizveranstaltungen. So manchen Rückschlag, aber auch positiven Werdegang haben wir dabei erlebt. Nur durch Geduld, Beharrlichkeit, nie das Ziel aus dem Auge verlierend und auch eine große Portion Glück konnte zum Beispiel die Absage der Unterstützung eines Sponsors dann doch abgewendet werden. Am Ende wurde genau dieser Sponsor unser substantiell größter Förderer der Orgelrestaurierung.

Unvergesslich bleiben auch die abendlichen Live-Übertragungen der Fußball - EM 2012 in der St. Lukas-Kirche. Dazu kamen viele Menschen aus unserem Dorf und der Umgebung, die noch nie mit unserer Kirchengemeinde zu tun hatten, nun aber von unserem großen Projekt erfuhren. Zum gemeinsamen Fiebern vor der großen Leinwand wurde gern „Orgel-Bier“ ausgeschenkt. Auch ein Teil dieser Einnahmen konnte in den immer wieder hungrigen Schlund der Orgelrestaurierung fließen. 

Die ersten Töne unserer Orgel erlauschten wir bei einer Gemeindefahrt 2016 zur Orgelbauwerkstatt nach Dresden. Die Einweihung fand im September 2018 im Rahmen eines Orgelfesttags statt.

Es war ein langer Weg, bis endlich "unsere Königin" fertig gestellt werden konnte. Unser Verein hatte sein Ziel erreicht. Die anfängliche Überlegung, ihn aufzulösen, wurde verworfen, da wir wissen, dass auch weiterhin unsere Kraft benötigt wird, um unsere Volckland-Orgel zu pflegen, warten zu lassen und vor allem zu bespielen.

Text: Karola Eberhardt, Vereinsvorsitzende

Fotos: Christoph Zimmermann


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Prospekt vor Restaurierung  Klaviaturen vor der Restaurierung  Foto: Christoph Zimmermann Klaviaturen nach der Restaurierung  Foto: Christoph Zimmermann Registerzüge vor der Restaurierung  Foto: Christoph Zimmermann Registerzüge nach der Restaurierung  Foto: Christoph Zimmermann Registerzüge nach der Restaurierung  Foto: Christoph Zimmermann

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