04.02.2021
„Zu Hilfe kam uns die Thüringer Rostbratwurst“ | Die Eifert-Orgel in Milda klingt wieder warm und romantisch

Wehrhaft steht sie da, die Kirche St. Jakobus in Milda (Kirchenkreis Jena). Dabei war das Gotteshaus zu DDR-Zeiten immer mehr in die Jahre gekommen und verfiel zusehends.

Und mit ihr auch die Orgel. Eine Eifert-Orgel aus dem Jahr 1890/91, erbaut von der Firma Adam Eifert aus Stadtilm. Ein wertvolles Orgelwerk mit 13 klingenden Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Die Orgel arbeitet mit einem heute sehr seltenen pneumatischen System. Sie zeigt besonders den Übergang von mechanischen Orgeln zur Pneumatik und gilt allein deshalb schon als besonders erhaltenswert. Besonders bemerkenswert: Seit ihrer Erbauung wurde die Orgel ohne größere Reparaturen bis zum Jahr 2019 immer durchgehend gespielt. Ein Zeugnis ihrer hohen Leistungsfähigkeit.

Leider mussten im 1. Weltkrieg die ursprünglichen Zinnpfeifen aus dem Prospekt für Kriegszwecke abgeliefert werden. Anfang der 1920er Jahre wurden sie durch Zinkpfeifen ersetzt, die auch heute noch im Orgelprospekt zu sehen sind. In einem Kostenangebot aus den 1950er Jahren geplante Umbauten an den Registern und Klangfarben der Orgel wurden glücklicherweise nicht ausgeführt. Doch über die Jahre litt auch die Orgel durch Verschmutzungen und natürlichen Verschleiß.

Mehr als 450.000 Euro wurden seit der Friedlichen Revolution in die Restaurierung und Substanzerhaltung der Kirche gesteckt. Im Jahr 2019 kam dann auch die Orgel dran. Restauriert wurde sie von der Firma Schönefeld aus Stadtilm, direkter Nachfolger der Firma Eifert. Fast 45.000 Euro flossen in die Sanierung. Das Geld kam von der politischen Gemeinde, der Landeskirche, dem Kirchenkreis Jena, dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, der Sparkassen-Kulturstiftung und nicht zuletzt von vielen großzügigen Spendern aus dem Ort und der Partnergemeinde. Ein Großteil des Eigenanteils der Kirchgemeinde kam mithilfe der Thüringer Rostbratwurst zusammen: Seit vielen Jahren reisen engagierte Mildaer zum Straßenfest der Partnergemeinde in die Nähe von Stuttgart. Im Gepäck: mehrere hundert Bratwürste, die dort gebraten und verkauft worden. Der Erlös konnte schon bei vielen Projekten der Kirchgemeinde helfen - und hat auch dem Orgelprojekt zum Erfolg verholfen.

Die Firma Schönefeld überholte im Jahr 2019 alle pneumatischen Teile, bezog sie mit neuem Ziegenleder und dichtete sie ab. Die Windladen, welche als Kegellade gebaut sind, wurden gründlich überarbeitet und ein neuer Winderzeuger eingebaut. Das komplette Orgelgehäuse wurde durch ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde überholt und farblich neu gefasst.

Am 5. Oktober 2019 wurde die Orgel nach Abnahme durch den Orgelsachverständigen Stefan Feig in einem großen Festgottesdienst wieder eingeweiht. Sie erklingt nun zu den regelmäßigen Gottesdiensten und Andachten, aber auch zu verschiedenen Konzerten zum Lobe Gottes. Mit ihrem vollen und warmen romantischen Klang begeistert sie immer wieder die Zuhörer.


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Orgel Milda Pfeifenwerk alt  Foto: Orgelbau Schönefeld Orgel Milda Pfeifenwerk fertig  Orgel Milda Traktur alt  Foto: Orgelbau Schönefeld Orgel Milda Traktur neu  Foto: Orgelbau Schönefeld

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