28.06.2017
Die Spiele im Vergleich

500 Jahre Reformation bieten allen Grund, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die damals angefangen haben, unsere Gesellschaft zu transformieren. Um auch Laien mit der Thematik anzusprechen, bietet sich ein spielerischer Ansatz an.

Wir haben uns angeschaut, was der Spielemarkt 2017 zum Thema Martin Luther/Reformation zu bieten hat und haben acht verschiedene Spiele getestet. Für EKM-SocialMedia waren 38 Testspieler vom Kind bis zum älteren Semester dabei. Engagierte Vielspieler genauso wie bekennende Spielemuffel, Lutherfans und eher neutral oder kritisch eingestellte Menschen.

Neben statistischen Einordnungen des Spielers (Alter, Spielhäufigkeit, Vorwissen) und inhaltlichen Kommentaren zum Spiel wurde auf einer Fünferskala (1=negativ, 3=OK 5=positiv) bewertet, wie optischer Eindruck, Verständlichkeit, Spielspaß, Lerneffekt und Wiederholungswunsch eingeordnet werden.

Und das Fazit: Alle Spiele wurden im Mittel besser als "OK" (3,64) bewertet, kein Spiel ist ganz durchgefallen. Gleichzeitig gab es bei jedem Spiel auch handfeste Kritik, die wir nicht verschweigen wollen. Und klar ist natürlich: Am Ende muss jeder selber entscheiden, woran man Spaß hat.

Die grafische Gestaltung gefällt den Testspielern insgesamt gut (4,06), die Regeln sind meist veständlich (4,12) und der Ablauf wird als insgesamt flüssig (4,09) bewertet. Bei einigen Spielen („Mea Culpa, „Luther – das Spiel“, „Sola Fide“) wird jedoch bemängelt, dass der Einstieg recht kompliziert ist, bis man die Regeln verstanden hat.
Die meisten Spiele schaffen den Spagat, dass Einsteiger wichtige Grundlagen über die Reformation lernen können, während Luther-Experten ihr Wissen weiter vertiefen. Der Spielspaß wird insgesamt zwischen OK und gut bewertet, sodass viele angeben, ein Interesse an Wiederholungsspielen zu haben oder sie sogar weiterempfehlen werden.
Von den acht Spielen schneidet bei den Testspielern „Luther - das Kartenspiel“ (4,44) am Besten ab, bei dem die Spieler gemeinsam und doch gegeneinander an einer Luther-Biographie schreiben. Es vermittelt die meisten Fakten, ohne dabei als Spiel langweilig zu wirken. Lediglich die Farbgebung der Karten ist bei schlechtem Licht schwer zu unterscheiden. Am zweitbesten bewertet wurde „Luther - das Spiel“ (4,11) bei dem Kunstwerke Lucas Cranachs zu Reformationspersonen gesammelt und Reisen durch Reformationsstädte geplant werden. Es geht vor allem um die großen Eckdaten, ohne auf theologische Inhalte einzugehen. Am schlechtesten bewertet wurde „Abenteuer Luther“ (3,03), ein Kinderspiel mit Fragen und Aktionen auf der Wartburg ohne besonders ausgefeiltes Spielsystem. Außerdem schneidet das Reformations-Skat aus gestalterischen Gründen nicht so gut ab (3,22), weil das (sehr liebevolle und grafisch gelobte) Design der Spielkarten den eigentlichen Spielfluss zu sehr stört. Daher ist es eher als Liebhaber-Präsent als für Profi-Spieler geeignet.
„Sola Fide Die Reformation“ (3,78, strategisches 2-Personen-Spiel), „Martin Luther – Das Quiz“ (3,61, einfaches Frage-Antwort-Spiel), „Mea Culpa“ (3,59, vorreformatorisches Strategiespiel) und „Martin Luthers Abenteuer“ (3,37, Olinekinderspiel) lagen im Mittelfeld.

Für Kinder sind zwei Spiele besonders gut geeignet: "Abenteuer Luther" und das Onlinespiel "Martin Luthers Abenteuer". Beide haben ein einfaches Spielkonzept und erzählen grundlegende Momente aus Luthers Leben nach. Die anderen Spiele sind aufgrund der komplexen Thematik und teilweise kniffligen Spielsysteme eher für Erwachsene geeignet. Besonders wurden hier "Luther - das Spiel", "Sola Fide" und „Mea Culpa“ genannt. Diese sind eher Vielspielern zu empfehlen. Wer nicht so oft spielt, ist mit einfachen Konzepten und kurzer Anleitung wie bei "Luther - Das Kartenspiel", "Martin Luther - Das Quiz" und "Abenteuer Luther" besser bedient.

Vorwissen wird generell wenig vorausgesetzt, ein Interesse für die Thematik erhöht natürlich den Spielspaß, gerade bei "Martin Luther - Das Quiz" oder "Sola Fide – Die Reformation". Menschen mit wenig Vorerfahrung zu Reformationsthemen können daher gut mit "Luther - Das Kartenspiel" oder mit "Luther - das Spiel" einsteigen. Man lernt nebenbei einiges über die Reformationszeit, ohne sich dumm zu fühlen.

Fazit:
Es ist schön zu sehen, wie viele Verlage sich dem Reformationsthema auf ganz unterschiedliche Art und Weise annehmen. Die meisten Spiele haben Schwächen im Bereich der theologischen Informationen oder Spielflüssigkeit. Andere sind gut durchentwickelt, aber so kompliziert, dass sie an der Thematik interessierte Anfänger überfordern. Außerdem merkt man, dass die Reformation sowohl religiöse wie auch politische Prozesse in Gang gesetzt hat und die meisten Spiele sich auf eine Thematik konzentrieren. Wenn man diese Kritikpunkte annehmen kann, bietet jedes der acht Spiele jedoch eine abwechslungsreiche Möglichkeit, sich mit der Reformationsgeschichte und Martin Luther auseinanderzusetzen. Vielleicht stößt so ein Spieleabend ja auch weiterführende Gedanken oder Recherchen an, denn das eigenständige Denken hat die Reformation ja auch betont.

 


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