11.08.2019
Alex

Sonntagmorgens ziemlich früh.

Ich fahre zu einem Gottesdienst und habe noch viel Zeit. Ein Kaffee in einem Schnellrestaurant.

Draußen sitzt ein Mann, der offensichtlich obdachlos ist. Vor ihm ein Frau, die auf ihn einredet.

„Sie müssen jetzt ins Krankenhaus“, sagt sie. „Ich habe den Rettungswagen gerufen.“

Der Mann nickt nur. Er ist betrunken.

Der Rettungswagen kommt. Zwei junge Männer.

„Ach Alex“, sagt der eine. „Wie oft haben wir uns gestern gesehen? Drei Mal glaube ich. Warum haust immer aus dem Krankenhaus ab?“

Dann hockt sich der junge Mann vor Alex und redet ihm ins Gewissen. Er weiß offensichtlich viel über den Mann, der ganz apathisch dasitzt und an einem Kaffee nippt. Der Rettungsassistent fragt nach Alex‘ Schwester im Ruhrgebiet. Er appelliert an Alex, jeder Einsatz des Rettungswagens koste die Allgemeinheit viel Geld, ob er das wisse und was er nun mit ihm machen solle.

Am Ende nehmen die beiden Alex mit.

Ohne ihre Namen zu kennen, bin ich stolz auf die beiden jungen Männer im Rettungswagen. Ganz professionell und gleichzeitig einfühlsam haben sie auf Alex‘ scheinbar vollkommen aus der Bahn geratenes Leben reagiert.

Ich bin dankbar, in einem Land zu leben, in dem am frühen Sonntagmorgen junge Menschen Alex helfen.

Sie erfüllen damit, wahrscheinlich ohne es zu wissen, eine Bitte Jesu:

Was Ihr den Ärmsten gebt, das gebt Ihr mir!

Was aus Alex geworden ist, weiß ich nicht. Vielleicht schafft er es, sein Leben wieder in die Hand zu bekommen.

Gott will auch das.

Nachdenklich grüßt aus Dessau

Joachim Liebig


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