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11.11.2016
Buß- und Bettag

Er hat schlecht geschlafen. Du bist ein schlechter Vater! So hatte das Telefonat mit seiner Tochter gestern Abend geendet. Seit er von ihrer Schwangerschaft erfuhr, war ihr Verhältnis denkbar schlecht. Dabei hatte er ihr nur gesagt, was doch ganz selbstverständlich war: In ihrer Situation, noch in der Ausbildung und dann ein Kind und dann mit diesem Mann! Das war doch klar. Warum wollte sie das nicht einsehen? Er hatte einfach Recht!
Heute ist Buß- und Bettag; ein fast vergessener Feiertag, vor Jahren zugunsten der Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft, außer in Sachsen. Buße! Beten! Alles verzichtbar.
Im Ursprung war es ein Tag der Ruhe. Gelegenheit, sehr selbstkritisch auf die eigenen Fehler zu sehen; mit sich selbst ehrlich zu sein. Vielleicht sogar den Mut zu finden, um Vergebung zu bitten.
Als Pfarrer lese ich im Gottesdienst heute die 10 Gebote. Gemeinsam mit der Gemeinde prüfen wir unser Leben an diesem Anspruch. Daran kann ich nur scheitern. Aber dann sagt mir Gott seine Vergebung zu. Ganz ernsthaft – obwohl er weiß, wie oft ich versage. Mir wird vergeben.
Das macht mich frei, anderen zu vergeben; auch wenn es schwerfällt. Noch schwerer, andere um Vergebung zu bitten.
Daran erinnert der Buß- und Bettag. Das soll verzichtbar sein? Glaube ich nicht!
Er nimmt sich ein Herz. Er ruft sein Tochter an. Er bittet um Verzeihung und fragt: Wie kann ich Dir helfen?
So ist es richtig!
Daran denke ich heute und morgen natürlich auch.

Evangelisch grüßt aus Dessau
Joachim Liebig


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