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16.12.2016
Engel am kalten Morgen

Jetzt sind die Engel in unserer Wohnung verstummt. Bis vorgestern haben sie mir weihnachtliche Melodien ins Ohr gesungen, froh und beschwingt. Mich summend mitgenommen auf dem Weg in ein harmonisches Weihnachtsfest.

Das ist nun vorbei. Das schreckliche Ereignis am Montagabend in Berlin hat schrille Töne in den Klang gebracht, Tonverwirrungen, Zerrissenheit. Am Anfang wollte ich mir nur noch die Ohren zuhalten. Nichts hören von all dem Leid und dem Schmerz. Nichts sehen von den Tränen. Den Todes-LKW abschalten, den die Fernsehkameras wieder und wieder gezeigt haben.

Die Engel schweigen mich an. Und ich weiß es wieder: Unsere Welt ist nicht heil. Das Paradies ist verschlossen. Wir Menschen jenseits von Eden sind nicht nur gut. Wir müssen uns schützen und schützen lassen. Manchmal auch vor uns selbst. Und Täter brauchen ihre gerechte Strafe.

Mein Blick geht heute Morgen zu den Opfern. Deren Leben sinnlos ausgelöscht ist. Und zu denen, die auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Zu den Familien, die in tiefes Leid gestürzt sind. Ihnen will ich mein Herz öffnen.

Und vielleicht werde ich auch die Engel wieder hören. Weil sich zu Weihnachten die Tür zum Paradies einen Spalt breit öffnet. Das Lied wird voller Friedenssehnsucht sein. Es wird trösten in dunkler Nacht. Und es lässt uns näher zusammenrücken.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle.


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