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21.10.2016
Große Ohren

Was hast du bloß für große Ohren!
Nein, ich möchte jetzt nicht das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf erzählen. Sondern von einer Entdeckung in der Kapelle des Schlosses Hohenerxleben in der Magdeburger Börde.
Die kleine Kapelle hat ein himmelblau gestrichenes Gewölbe, das wird von ein paar Säulen getragen. Eine Säule hat als Verzierung ein kugelrundes Gesicht, dicke Pausbacken und zwei wirklich riesige Ohren. Na denen entgeht bestimmt nichts.
Manche Leute sind genau so. Die machen immer große Ohren, um ja alles mitzukriegen. Sie horchen, lauschen, spitzen die Ohrmuscheln.
Und dann erzählen sie es vielleicht gleich weiter, tratschen und tun sich wichtig. Das kann peinlich werden oder einfach nur ärgerlich sein. Denen kann man nichts erzählen.
Aber Moment mal... an dieser Säule, das sind ja gar keine Ohren, die beiden Dinger da links und rechts. Das sind ja Flügel. Das ist ein Gesicht mit zwei Flügeln, das ist ja ein Engel! Er ist einfach da und hört zu. Aber er redet nicht darüber. Er kann irgendwie anders damit umgehen.
Es gibt Menschen, da ist es auch so. Nämlich bei den Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge. Sie hören zu - mit Engelsgeduld - und schweigen über das was ihnen erzählt wird.
Sie sind da rund um die Uhr. Sie sind ganz Ohr für mich und meine Sorgen. Hörende Engel aus Fleisch und Blut.
Danke, dass es euch gibt! Tag für Tag und Nacht für Nacht. Schon seit 60 Jahren in Deutschland. Danke, dass ihr einfach zuhört mit euern großen Engelsohren.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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