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07.10.2016
Kaltblütig!

Eine mutige Frau, denke ich. Ich höre ein Interview mit Hilde von Braunmühl. Heute vor 30 Jahren wurde ihr Mann erschossen. Sie sagt: „Das kann ich bis heute nicht verstehen. Wie man so kaltblütig werden kann, dass man es für selbstverständlich hält, eine Waffe gegen einen Menschen zu benutzen.“ Damals gab es Terrorismus auch in Deutschland. Terrorismus von Deutschen gegen Deutsche. In der alten Bundesrepublik haben die Aktionen der Rote Armee Fraktion Angst und Schrecken verbreitet. Sie kämpften für eine andere Welt. Und sie kämpften mit Gewalt. So erschossen sie auch den Diplomaten Gerold von Braunmühl, Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes, Vater von drei Kindern. Hilde von Braunmühl hat sich auf viele Weisen mit diesem Schicksalsschlag beschäftigt. Zusammen mit den Brüdern ihres Mannes hat sie einen offenen Brief an seine Mörder verfasst und veröffentlicht. Sie wollten die Täter zum Umdenken bewegen. Mutig ist, dass sie nicht in ihrer Rolle als Opfer stehengeblieben ist. Traurig ist, dass auch 30 Jahre später noch Menschen glauben, Gewalt könne ein Mittel in Konflikten sein. Und dass ihnen Opfer egal sind. Wie bei dem Anschlag auf die Moschee in Dresden. „Wie kann man so kaltblütig werden?“ Wir brauchen auch heute mutige Menschen, die eine solche Denkweise immer wieder hinterfragen.
Einen Tag voller mutiger Fragen wünscht Pfarrerin Katja Albrecht aus Merseburg.


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