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23.02.2019
Rettungswesten in Orange

Es ist kurz vor der Morgendämmerung am Mittelmeer. So lese ich es in einer Erzählung von Khaled Hosseini. Ein Vater wartet mit seinem Sohn auf den Sonnenaufgang. Der Junge schaut ihn an. „Du hast nichts Schlimmes zu befürchten“, sagt der Vater. Und weiß doch: Das Mittelmeer ist tief, riesig und teilnahmslos. Er wird seinen Sohn nicht beschützen können, wenn sie ins Boot steigen. In den Frieden reisen oder in den Tod.

Sie lauschen in die Stille. Der Vater denkt zurück an die langen Sommer in Homs. In der geschäftigen Altstadt gibt es eine Moschee für die Muslime und eine Kirche für die christlichen Nachbarn. Auf dem Markt kaufen sie ein, bis der Bürgerkrieg in Syrien beginnt. Der Himmel speit Bomben. Viele hungern, viele sterben. Der Vater und seine Familie fliehen.

Gleich auf dem Meer sind sie in Gottes Hand. Und in der der Schlepper. Und der Küstenwachen. Einziges Hilfsmittel: die orangefarbenen Rettungswesten.

Ich lege das Buch beiseite. Geht uns das was an?

In Dessau hängen derzeit orangefarbene Rettungswesten an den Kirchtürmen. Damit solidarisieren sich die Kirchengemeinden mit allen Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind. Sie sollen bei uns in ganz Europa und auch in Deutschland gut aufgenommen werden. Dazu ist die Politik gefordert. Sie bewegt sich, wenn wir uns bewegen. Danke an alle, die hier mit anfassen.

Sagt Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle.


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