06.04.2019
Seelenfluss

Es ist frühlingsfrisch. Der Wind bläst über das Wasser. Er lässt die Oberfläche leicht kräuseln. Ich sehe ein paar Enten am Elbufer. Meine Schritte führen mich zur Hubbrücke. Einer alten Stahlkonstruktion, die ganz in der Nähe des Magdeburger Domes über die Elbe führt. Nur Fußgänger dürfen sie heutzutage benutzen, gebaut wurde sie einst für den Zugverkehr, ein paar alte Schienen erzählen noch davon.

Sie ist eine der ältesten und längsten Hubbrücken in Deutschland. Ich gehe die Böschung herunter und stehe am Fuße der Brücke.

Ich schaue auf das Wasser, wie es dahinfließt. Stetig ist es in Bewegung.

Auch mein Leben fließt dahin wie ein Fluss. Mal bewege ich mich in ruhigen Gewässern. Und dann geht es stürmisch zu, die Wellen schlagen hoch, Wasser tritt übers Ufer.

Das Leben fließt unaufhaltsam, wie die Elbe. In meiner Empfindung fließt es immer schneller mit den Jahren. Es umspült auch die Brückenpfeiler, die tief im Flussbett verankert sind.

Gottes Segen ist wie diese Brücke, die sich über mir spannt. Von einem Ufer zum anderen.

Ich bin Pfarrer und habe oft Menschen den Segen Gottes zusprechen dürfen. Bei Taufen und Konfirmationen, am Hochzeitsaltar, zu persönlichen Jubiläen. Aber auch am Sterbebett. Gerade das waren schwere - aber zugleich ganz wunderbare, trosterfüllte Momente.

Gut, dass es diese Brücke gibt. Die Verbindung über den Fluss des Lebens. Die Verbindung von hier nach drüben ins Unbekannte.

Mögen Sie einen segensreichen Tag haben.

Peter Herrfurth, Landesjugendpfarrer in Magdeburg


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