16.09.2016
Sonnenblumen

Fast jeden Tag bin ich an ihnen vorbeigefahren. Meistens hatte ich es eilig. Manchmal habe ich mir vorgenommen: „Auf dem Rückweg halte ich aber an!“ Und dann bin ich doch einen anderen Weg nach Hause gefahren. Außerdem wollte ich mir immer eine Gartenschere mitnehmen und habe es genauso oft vergessen. Und nun ist ihre Zeit bald schon wieder vorbei. Ihre braunen Gesichter verlieren den gelben Kranz aus Blütenblättern. Bald werden sie ihre Köpfe mit den vielen Samen darin zu Boden neigen.
Auf meinem täglichen Weg in die Stadt komme ich an einem Feld vorbei, mit Sonnenblumen zum Selberschneiden und einer Kasse des Vertrauens. Seit ich das gesehen habe, wollte ich mir welche mitnehmen, mir ein bisschen späten Sommer ins Haus holen. Bis jetzt habe ich es nicht gemacht. Es kam mir immer was dazwischen.
Kein Mensch braucht Sonnenblumen zum Leben. Da ist es dann tatsächlich wichtiger, noch schnell etwas fürs Abendessen einzukaufen statt am Sonnenblumenfeld anzuhalten. Aber schade finde ich es jeden Tag. Es ist wichtig, auf den täglichen Wegen auch mal an die Seite zu fahren. Anzuhalten und das tun, was man sich vorgenommen hat. Nichts besonders Großes. Aber etwas Schönes. Heute ist Sonntag. Der ist das Sonnenblumenfeld der Woche.

Einen fröhlichen Sonntag wünscht Ihnen
Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar