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25.11.2016
Tunnelblick

Es ist ein romantisches Bild, das Kalenderblatt für heute. Es hängt in meiner Küche. Ich sehe ein verwunschenes, längst stillgelegtes Bahngleis. Es ist schon teilweise von Grün überwuchert. An den Seiten wächst links und rechts eine Hecke so hoch, dass sie oben ein Dach über dem Gleis bildet. Ein Tunnel aus Grün. Man könnte darunter spazieren gehen, denke ich. Es ist still und grün und schön in diesem Tunnel.
Normalerweise sind Gleise nicht so eine romantische Sache. Dazwischen liegt Schotter und es wächst nur ein bisschen zähes Unkraut. Die Züge fahren darüber. Es ist laut und quietscht metallisch. Aber wer weiterkommen und sich bewegen will, braucht sie einfach. Ich glaube, Gott setzt jeden Menschen auf ein eigenes Gleis. Damit wir uns bewegen und weiterkommen. Und etwas sehen und wahrnehmen von dem, was um uns herum passiert.
Das ist alles nicht immer bequem und auch nicht schön und romantisch. Aber ich möchte auch nicht, dass mein Leben wie ein stillgelegtes Gleis ist, auf dem gar nichts mehr passiert. Ich will keinen Tunnelblick haben und gar nicht mehr nach links und rechts gucken. Ich will weiterkommen und sehen, wo Gott mich haben will.

Einen weiten Blick wünscht Ihnen
Pfarrerin Kathrin Oxen aus der Lutherstadt Wittenberg


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