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23.09.2016
Unverzichtbar

Als ich acht, neun Jahre alt war, da war der Sonntag der einzige freie Tag der Woche. Ich durfte morgens im Bett liegenbleiben. Vor mich hin dösen, träumen. Ich habe noch einmal mein Kissen aufgeschüttelt, mich in meine Decke gekuschelt und gelesen. Von Freunden, die zusammenhalten. Die Abenteuer bestehen und gefährliche Wege meistern. Die Geschichten sind fast immer gut ausgegangen.

Wenn ich dann aufgestanden bin, habe ich mir das Hemd und die Hose „für gut“ angezogen. Es war ja schließlich Sonntag. Manchmal gingen wir zur Kirche, in den Gottesdienst. Aber vor allen Dingen gab es am Nachmittag ein großes Blech mit Hefekuchen. Im Herbst belegt mit Pflaumen und Streuseln. Das war ein Fest für meinen Bruder und für mich. Dann spielten wir „Mensch-ärgere-dich-nicht“ und später ging es raus zu unsern Freunden. Am Abend war ich wehmütig: Nun geht der schönste Tag der Woche zu Ende. Es fielen mir die Hausaufgaben ein und manchmal gab es Streit.

Der Sonntag ist für mich ein besonderer Tag geblieben. Ich sehne mich noch immer nach Geschichten, die gut ausgehen, nach Menschen, die einander beistehen. Manchmal klingt das an in den Gottesdiensten, die ich nun als Erwachsener feiere. In Liedern und Worten, die mich mitnehmen und meine Seele berühren. Ich möchte auf diesen Tag nicht verzichten.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle.


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