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16.12.2016
Von der Sehnsucht singen

Wieder wird es Weihnachten. Der Weihnachtsbaum steht geschmückt in unserem Wohnzimmer. Unsere Töchter werden da sein, meine Schwiegereltern. Es ist fast so wie jedes Jahr. Wäre da nicht dieser Anschlag in Berlin. Am Ende eines Jahres, das auf der Domplatte in Köln mit Gewalt und Ohnmacht begonnen hat. In dem es Anschläge gab in Brüssel, Nizza und München. Ein Jahr, in dem in Amerika ein Mann zum Präsidenten gewählt wurde, bei dem es mir um die Zukunft bange wird.

Ist in so einer Welt Weihnachtsfreude möglich, überhaupt noch erlaubt? Oder ist sie nur noch etwas für abgestumpfte Seelen, die sich vom Leid anderer nicht mehr berühren lassen? Ich spüre in mir Trotz. Und Sehnsucht: Nein, gerade jetzt soll es Weihnachten werden!

Heute Nachmittag werde ich eine Christvesper in einem kleinen Dorf leiten und am Abend hier in der Stadt. Wir werden trotz allem singen „O, du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“. Denn das Lied beschönigt nichts. Es ist realistisch. „Welt ging verloren“, heißt es darin. Ja, Menschen tun sich gegenseitig immer wieder Schreckliches an.
Aber auch das andere klingt hervor: „Christ ist geboren.“ Gott kommt als ein wehrloses Kind. Wir werden von unserer Sehnsucht singen: Wenn es denn noch Hoffnung für unsere Welt geben kann, dann nur durch dieses Kind. Und das, wofür es steht: Frieden und Liebe, eine Welt, die kommen soll und die auf unsere Taten wartet.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle


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