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26.09.2016
Wie handeln?

„Möt ja, möt ja, hilft ja alles nix.“ „Machen wir weiter!“ Höre ich die beiden alten Frauen sagen, die ihre Treppe wischen. Eben haben sie noch kurz innegehalten, sich das Kreuz gerade gedrückt. Jetzt haben sie die Wischlappen wieder in den Eimer mit dem dampfenden Wasser getaucht und sich ihrer Arbeit zugewandt.

Hilft ja alles nichts. Das Treppenhaus muss gewischt werden, wenn es keinen Reinigungsservice gibt. Dann muss man sich in sein Schicksal fügen. Auch wenn der Rücken weh tut.

An anderen Stellen ärgere ich mich, wenn sich Menschen zu schnell in ihr Schicksal ergeben. Dann, wenn jemand gedemütigt oder beleidigt wird und sich nicht wehrt.

Wenn Frauen geschlagen und Kinder sich selbst überlassen werden. Wenn ich höre, dass die Näherinnen in Asien für einen Hungerlohn arbeiten müssen. In solchen Situationen will ich kein Duckmäuser sein. Dann will ich ansprechen, was los ist. Mich auflehnen.

Aber wo hat das Sinn? Wie finde ich das richtige Augenmaß? „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ So heißt es in einem Gebet, das Sie vielleicht schon kennen.

Ich will immer wieder abwägen, was dran ist. Indem ich nachdenke und mit anderen rede. Und dann wischen, wenn es sein muss oder den Wischeimer stehen lassen, wenn es passt.

Meint Hans-Jürgen Kant, Superintendent in Halle.


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