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11.11.2016
Wittenberg

Ich betrete einen großen runden Raum. Es ist dunkel, Stimmen, hier und da Musik. Als wäre ich auf den Straßen unterwegs, sehe ich ein Panorama der Lutherstadt Wittenberg. Seit kurzem hat der in Wien geborene und in Halle aufgewachsene Künstler Yadegar Asisi Martin Luthers Zeit vor den Augen des Betrachters wieder erstehen lassen. Anders als im Kino oder im Fernsehen bewegen sich die Bilder nicht. In Ruhe kann ich einen Blick rundherum nehmen: Handwerker bei der Arbeit, der Kurfürst und sein Gefolge und natürlich Luther selbst. Realistisch und lebensnah ziehen mich die Bilder an.
Ich bin in Wittenberg zu Luthers Zeit.
Aber dann: zwei kleine grüne Leuchten-Notausgang. Das deutsche Baurecht fordert Rettungswege. Die schnöde Realität macht die Welt Luthers kaputt. Zumindest ein bisschen. Luther hatte keinen Notausgang. Oder doch? Was half ihm in der Not? Er schrieb es dick auf seinen Tisch: Ich bin getauft. Ganz gleich was kommt-das gilt.
Auf dem Heimweg denke ich darüber nach.
Mein Glaube trägt mich jeden Tag und manchmal ist er auch ein Notausgang aus Sorgen und Nöten. Ich sage dann: Ach Gott! Ich weiß nicht weiter.
In meinem Leben ist mehr zu sehen als meine akuten Probleme; das spüre ich dann. Ich bin getauft.
Notausgang! Manchmal führt das Baurecht zu erstaunlichen Einsichten.

Evangelisch grüßt aus Dessau
Joachim Liebig


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