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26.09.2016
Aleppo

Aleppo. Ich war da mal, vor zehn Jahren. Ich bin damals einen halben Tag und eine halbe Nacht durch den Bazar gestreift – der größte und arabischste Bazar auf dieser Erde. 20 Kilometer kleine, enge, verwinkelte Gässchen, hunderte kleine Geschäfte, jedes nicht größer als eine Garage. Wurden die Rolltore hochgeschoben, fanden sich hier Seidentücher vom Boden bis zur Decke, dort handgemachte, echte syrische Olivenseife, ein paar Meter weiter frisches Obst, Gemüse, ein Fleischer, um die Ecke Gewürze in Körben, richtige Gewürze! In den Gassen Menschen über Menschen, Händler, Familien – einer tritt dem anderen auf die Füße. Aber nie habe ich auch nur ein aggressives Wort gehört. Alle freundlich und friedlich. Ich habe mich gefühlt wie in einem Märchen aus 1001 Nacht. Dabei war es gar kein Märchen, sondern das pulsierendste Leben, das ich je erlebt habe. Sollte ich die Fülle des Lebens beschreiben, ich würde die Farben, die Gerüche, dieses Treiben in diesem Bazar von Aleppo nehmen. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen.

Der Bazar ist ausgebrannt. Aleppo wurde das Herz herausgerissen. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. 300.000 Menschen hungern in abgeriegelten Stadtvierteln. Die Großmächte treiben ihr Spiel und bekommen keine wirkliche Waffenruhe hin. Sogar Hilfstransporte werden nicht verschont. Männer, Frauen, Kinder leben mitten in einer humanitären Katastrophe. Mit offenem Ausgang.

Guter Gott, erbarme Dich.

Das wünscht sich Ralf-Uwe Beck, evangelisch und aus Eisenach.


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