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07.10.2016
Heiß oder kalt auf dem Zwiebelmarkt

Ich bin nicht dabei. Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass ich nicht in der Stadt bin. Habe dienstlich zu tun, außerhalb. Muss also nicht diesen Rummel über mich ergehen lassen. Wir Weimarer haben ja nur zwei Möglichkeiten: Ganz reingehen und mitmachen, oder fliehen. Ich fliehe jetzt dienstlich. Vor dem Zwiebelmarkt.
Früher habe ich ihn gemocht. Fand es total schön, am Vormittag Zwiebelzöpfe für die ganze Familie zu kaufen. Es sind ja super Gastgeschenke, wenn man mal irgendwo zu Besuch ist. ‚Schau – ein Weimarer Zwiebelzopf. Ja, so was gibt’s bei uns, nett, nicht?!’ Abends dann: Party machen. Abhotten.
Aber in den letzten Jahren war ich oft einfach nur genervt. Wenn man wirklich so gar nicht in die Stadt kommt. Alles ist abgesperrt, alles ist proppenvoll. Ich war schlecht gelaunt. Was kann man da überhaupt machen – nichts. Missmutig ertragen.
Aber das ist genau genommen keine gute Wahl. Entweder man geht beherzt hinein, oder man lässt es ganz sein. Heiß oder kalt. Alles dazwischen ist anstrengend.
Wie immer im Leben. Wenn du nur ein bisschen verheiratet bist, ist es richtig doof. Wenn Du nur missmutig deine Mutter besuchst, welchen Wert hat es? Wenn du nur halb deine Meinung sagt – wem nützt es. Und wenn du Politik machst, und dich nichts zeigst – dann wird es nichts bewirken.
Ich wünschte, ihr wäret heiß oder kalt, lese ich in der Bibel. Aber ihr seid lau.
Das können wir besser.
Ich wünsche ihnen ein heißes Wochenende!
Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.


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