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10.10.2016
Klage und Hoffnung?

Klage und Hoffnung?

„Ach Herr, wie lange noch?“ (Psalm 6, Vers 4b) So klagt ein unbekannter Beter in den Psalmen der Bibel. Eine ganze Reihe von Klagen bringt er vor. Seine Worte klingen erschöpft, verzweifelt, resigniert. Wann kommt endlich Hilfe? Das ist so menschlich. Deshalb schätze ich die alten Psalmen der Bibel. Ganz aktuelle Klagen fallen mir ein:
„Ach, Herr, wie lange noch?“ klagt mutlos der schmerzgeplagte Kranke, der keinen Schlaf findet.
„Ach, Herr, wie lange noch?“ flüstert verzweifelt die Witwe, die aus der Dunkelheit der Trauer nicht herausfindet.
„Ach, Herr, wie lange noch?“ frage ich selbst ratlos und wütend und habe die letzten Berichte aus Syrien vor Augen. Menschen, die vor dem neuen Bombenhagel fliehen, Mütter, die schreiende Kinder auf dem Arm tragen.
Hilfskonvois werden beschossen, Menschen bleiben ohne Medikamente, Essen, Trinken. Wann hat dieser furchtbare Krieg endlich ein Ende?
Ach Herr, wie lange noch? Klagen tausendfach.

Was sind Klagen eigentlich? Resignation, Verzweiflung? Ja und Nein. Der Beter aus der Bibel durchläuft einen Weg. Nach Klage, Wut und Verzweiflung kommt zaghaftes Hoffen. „Der Herr hört mein Weinen und Flehen.“ So heißt es weiter unten im Psalm. „Er nimmt mein Gebet an.“ (Verse 9+10)
Und so bete auch ich: „ Ach ja, Gott, nimm mein Gebet an!“
Cornelia Biesecke, ev. Pfarrerin aus Eisenach.


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