03.10.2019
`nen guten Fang gemacht

Meine lieben westdeutschen Freundinnen und Freunde,

ich gratuliere Euch herzlich zum 29. Tag der Deutschen Einheit.

Mit uns habt Ihr einen guten Fang gemacht.

Ich bin froh und dankbar, dass wir uns haben. Dass wir unter einer Fahne firmieren, dass wir frei hin und herkönnen, dass wir zusammen feiern können und unsere Kinder hier oder dort studieren, die alten an der Mosel  und an der Elbe ihr Kaffeefahrten machen – und all das, ohne einen Tropfen Blut vergossen zu haben, damals vor 30 Jahren. Das haben wir doch zumindest schon einmal gut hinbekommen, oder?!

Gut, die einen aktiver, als die anderen. Manche haben vom Sofa aus zugeschaut. Schon ok.

Aber das halten wir doch einmal fest: dass Mauern fallen können. Dass Systeme implodieren, dass Konstrukte in sich zusammenkrachen können wie ein Kartenhaus, wenn einige mutig sind. Courage ist eine feine Sache.

Und jetzt haben wir uns. Wir Menschen in Ost und West. Und die im Süden und die im Norden. Manche haben sich angeguckt und gesagt: Naja. Und das war’s dann. Ok. Manche haben sich geheiratet. Viele haben sich nicht angeguckt.

Etliche sagen heute: Mauer? Bring mir Mörtel und Kelle, ich bau sie wieder mit auf, aber zwei Meter höher.

So denke ich nicht. Ich sage stattdessen: Kommt doch mal wieder vorbei. Besucht uns. Lasst uns Wein trinken und uns unsere Geschichten erzählen. Wechselseitig. Und lasst uns das feiern: dass wir zusammen sind und halbwegs Frieden halten können. Das ist sehr wertvoll.

Lasst uns diesen Frieden festhalten mit beiden Händen. Denn auch im Himmel freut man sich, wenn zwei auf Erden es schaffen, Frieden zu bewahren. Erst recht 81 Millionen.

Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche


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