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31.12.2016
Neues Herz und neuer Geist

So viel Mühe hatte sie sich gegeben. Den Frühstückstisch gedeckt, eine Kerze angezündet, Schokoladenherzen auf die Teller gelegt. Weil es schwer werden wird, am ersten Schul- und Arbeitstag des neuen Jahres. Schon gestern hatten die Kinder gejammert. Viel zu kurze Ferien. Andere Schulen haben noch länger frei.

Nun sitzt sie am Frühstückstisch. Allein. Die anderen sind wie immer hektisch losgestürzt. Sie isst die Schokoladenherzen und liest den Spruch auf der Kerze: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hes. 36,26). Die Kerze hat sie von der Kirchengemeinde bekommen. Der Spruch ist die Jahreslosung, so was wie die Überschrift für 2017. Als sie sie das erste Mal las, fand sie sie schön. Aber jetzt?

Ganz schön schwer, das mit dem neuen Herzen und dem neuen Geist. Geht das überhaupt? Wenn's schon in der eigenen Familie nicht klappt und alle gleich wieder in den alten Trott verfallen? „Jetzt klinge ich schon wie meine Oma“, denkt sie. Deren Lieblingsspruch war: „Die Menschen sind schlecht. Die ändern sich nicht.“
„Stimmt nicht Oma“, denkt sie, „habe ich selber erlebt, im letzten Jahr. Beim Begegnungscafe für die Flüchtlinge. Da machen Leute mit, denen ich es nie zugetraut hätte. Die vorher ganz anders geredet haben.“
Neues Herz, neuer Geist. Werden dringend gebraucht, auch 2017.
Und die Kerze, die bleibt auf dem Tisch. Nun gerade!

Ich wünsche Ihnen einen guten Beginn heute. Cornelia Biesecke, ev. Pfarrerin aus Eisenach.


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