Augenblick mal, MDR, Radio, Radio-Andacht, Radio-Andachten, Radioandacht, Radioandachten,

14.10.2016
Rhythmus ist gottgegeben

Da ist er wieder in vollem Gange – der Herbst. Die Blätter färben sich wunderbar. Kein Maler könnte sich das so kreativ vorstellen, wie es die Natur Jahr um Jahr zaubert. Die Ernte ist eingefahren, die Scheunen sind gefüllt, die letzten Beeren holen sich die Vögel. Es ist Zeit, loszulassen. Schön war es. Bunt. Warm war der Sommer.
Aber jetzt ist es Herbst, die Blätter fallen. Der Sturm zerzaust die Haare. Er fegt die Blätter hin und her. Wir können nichts festhalten. Es wird kalt und der Winter ist schon am Horizont.
Der Rhythmus der Jahreszeiten ist gottgegeben.
Kein Sommer des Lebens lässt sich konservieren. Mensch, Tier und Natur – wir gehören in diesen Rhythmus hinein. Denn er macht Sinn. Die Natur lässt los, was nicht überwintern kann. Sie wirft es ab. Es wird Humus. Dünger für das Neue, das einmal kommen wird.
Wir erleben es Jahr um Jahr. Und doch will es immer wieder mit dem Herzen verstanden sein: Es ist gut so. Wir sind eingebettet in den Lauf der Natur. Wir sind ein Teil dieser Natur. Nicht ihr König, nicht die unbeteiligte Zuschauerin. Wir gehören mit Haut und Haaren dazu.
Ja – noch einmal: Das ist gut so.
Herbst heißt: Sich verkleinern. Unnötiges loslassen. Die Ernte bestaunen. Und bergen. Den Duft einatmen und merken.
Dann, wenn es langsam ruhiger wird, kommt sie vielleicht zu uns: die Sehnsucht nach der Stille, die heilt.

Ulrike Greim, Weimar, Evangelische Kirche.


Bleiben Sie mit unseren Newslettern auf dem Laufenden.

Hier Abonnieren

Die besten News per E-Mail - 1x pro Monat - Jederzeit kündbar