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10.10.2016
Weltalzheimertag

Weltalzheimertag

Lächelnd fragt mich die alte Dame:“ Wie war doch gleich Ihr Name?“ Freundlich sage ich es ihr. Gefühlt zum zehnten Mal innerhalb der letzten paar Minuten. Die Tochter reagiert ärgerlich: „Aber Mutti, das ist die Frau Pfarrer. Die kennst du doch!“
„Ja, natürlich,“ braust die alte Dame auf. Gar nicht mehr freundlich . „Du musst mich nicht immer bevormunden.“ Betretenes Schweigen. „Wie war doch gleich ihr Name?“ fragt sie erneut. Es wird ein anstrengender Besuch. Später winkt mich die Tochter in die Küche. „So geht das ständig,“ sagt sie und ringt um Fassung. „Manchmal könnte ich davonlaufen. Dass dagegen noch kein Kraut gewachsen ist.“
Und ich denke: ich bin nur eine Stunde hier. Die Tochter erlebt das Tag und Nacht. Da kann man echt an seine Grenzen kommen.

Der heutige Weltalzheimertag macht die Sorgen und Nöte der Betroffenen und Angehörigen zum Thema. Es ist noch kein Kraut dagegen gewachsen. Zumindest kein medizinisches. Ein menschliches schon. Sogar ein ganzer Strauß an Kräutern. Sie heißen Geduld, Zuwendung, Barmherzigkeit, Nähe. Und professionelle Hilfe. Die jeder in Anspruch nehmen sollte, wenn die Kraftgrenze erreicht ist. „Ehre Vater und Mutter!“ heißt eins der 10 Gebote. Wer sich um kranke Angehörige kümmert, darf um Hilfe bitten. Damit er weiterhin die Kraft dazu hat. Und Vater oder Mutter lieben und achten kann, auch mit Alzheimer.

Cornelia Biesecke, ev. Pfarrerin aus Eisenach


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