11.09.2020
Beweglichkeit suchen

Tante Ju. Das klingt nach einer netten älteren Frau.

Aber so wurde das Flugzeug Ju 52 aus Dessau genannt. Am 11. September 1930 – heute vor 90 Jahren – hatte es seinen Jungfernflug. Es wurde zuerst als Transporter eingesetzt, im Krieg; später auch als Passagierflieger. Heute gibt’s weltweit nur noch eine Handvoll flugfähige Modelle von Tante Ju. Den Spitznamen bekam sie, weil sie so gutmütig zu handhaben ist. Robust ist sie auch – wenn zwei von ihren drei Motoren ausfallen, kann sie allein mit dem letzten noch weiterfliegen. Als sicherstes Flugzeug der Welt galt sie darum zeitweise. Seit Kurzem steht Tante Ju sogar unter Schutz als „bewegliches Denkmal“. Beweglichkeit könnten aber mehr Denkmäler vertragen. Dann wären sie wandelbarer, wirklichkeitsnäher. Denn die meisten stehen nicht nur für Gutes, sondern haben auch Schattenseiten. Tante Ju hat für technischen Fortschritt gesorgt. Durch den Krieg, für den sie gebaut wurde, aber gleichzeitig Unheil gebracht. Mal transportierte sie Bomben, mal Pakete. Darum erinnere ich zum Jubelfest nicht nur allein an die netten Seiten. Die unschönen gehören zur Geburtstagswahrheit der alten Dame dazu. So wie wir im Leben auch auf Gelungenes und Versagen zurückschauen. Wenn wir die Schatten nicht nur krampfhaft verschweigen, können sie uns freimachen. Und wir werden vielleicht barmherziger mit uns selbst und mit anderen. Gott ist es jedenfalls. Deswegen heute: Glückwunsch, Tante Ju!

Schlafen Sie gut, wünscht Milina Reichardt-Hahn, Pfarrerin in Fambach


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