Christbaum

Jetzt darf der Christbaum raus. Endlich. Er nadelt, lässt die Zweige hängen und ist so trocken, dass sich keiner mehr traut, die Kerzen bis nach unten brennen zu lassen. Egal; bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag bleibt er da, für die 12 Heiligen Nächte.

Jetzt endlich darf er raus. Jetzt wird das Wohnzimmer wieder Wohnzimmer.

Obwohl: Wohnlich war es, mit dem Baum in der Ecke. Fast ein liebgewordener Mitbewohner, für diese Weihnachtstage. Ein besonderer Gast, der von draußen reinkommt. Eine Zeit lang zu Besuch bleibt. Und etwas mitgebracht hat.

Sein Hoffnungs-Grün – mitten zur Winterszeit. Seinen Tannenduft. Und eine Botschaft. Denn er wird zum Träger für vieles, was sich im Laufe der letzten Jahre angesammelt hat an Christbaum-Schmuck. Die Kugeln, die wir damals in Erfurt auf dem Weihnachtsmarkt gekauft haben, gleich nach der Wende. Weißt Du noch? Der kleine Nikolaus, etwas windschief, den das Patenkind selbst gebastelt hat. Den Strohstern, den der Nachbar mitbrachte. Die gläserne Spitze, die die Kinder im Grobmüll auf der Straße fanden. Und die Wachsengel der Großmutter aus Hinterpommern.

Jetzt, nach dem 6. Januar, kommt der Christbaum auf die Straße. Und all diese kleinen Schätze verschwinden in Kisten und Dosen auf dem Dachboden. Liebevoll eingepackt, damit sie das Jahr über gut geschützt sind. Und auch nächstes Jahr wieder erzählen und glänzen können. Von dem, was das Herz voll macht. Von dem Kind in der Krippe, von dem Licht, was sich da ausbreitet, wo es am allerdunkelsten ist. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

Dass die Weihnachtsgeschichten noch weitergehen, auch ohne Baum und auch in dieser Nacht heute, das wünscht Ihnen Pfarrerin Elisabeth Wedding aus Jena.