Dämmerstündchen für Gott

„Dämmerstündchen“ nannten die Alten es in unserem Dorf. Die Zeit, wenn das Licht ganz allmählich verschwindet. Wenn es nicht mehr hell, aber auch noch nicht ganz dunkel ist. Wenn der Tag zur Neige geht. Wenn es dämmert.
Dann setzten sie sich in die „gute Stube“ und legten die Hände einfach in den Schoß, machten gar nichts. Nur dasitzen. Und schauen und warten, dass das Licht entschwand. Sie fielen aus der Zeit. Niemand schaute auf die Uhr. Hin und wieder wurde ein Wort gesprochen. Mehr nicht. Und doch so viel. Abschalten, nichts denken, den Kopf leer machen.
Hineinwarten ins Dunkel und doch wissen, dass es wieder hell werden wird.
So warte ich in dieser Adventszeit. Warte durch die dunklen Nächte.
Mit meinen Unsicherheiten und Sorgen, mit allem, was noch zu tun ist, mit Vorfreude und einem Lied:
„O komm, o komm, du Morgenstern, lass uns dich schauen unsern Herrn. Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht.“
So ist Advent. Dämmerstündchen für Gottes Kommen.
Nur dasitzen, schauen und warten, dass das Licht kommt. Abschalten, nichts denken, den Kopf leer machen und die Hände hinhalten. Dass Gott in sie hineinlegt, was ich zum Leben brauche. Auch morgen wieder!
Das hofft Dorothee Land, evangelisch und aus Erfurt.