27.08.2021
Der im Dunkeln spricht

Zur Vorbereitung von einem Abendgottesdienst treffen wir uns in der kleinen Kneipe nebenan. Wir – das sind vier Frauen, vier Freundinnen. 

Wir haben uns länger nicht gesehen. Und es gibt viel zu erzählen vom Urlaub, von Kindern und Enkeln... 

Wir genießen den Abend, das Wiedersehen, das gute Essen. Das Blatt Papier mit den Ideen für den Abendgottesdienst liegt auf dem Tisch und wird erst mal kaum beachtet. 

Wir reden und reden. Die Gespräche werden allmählich intensiver. Die erste Fröhlichkeit weicht nach und nach, die Gesichter werden ernster. Mit echten Freundinnen kannst du auch über persönliche Dinge reden, die nicht so lustig sind. Über deine Sorgen. Über die Konflikte auf Arbeit. Und von der Nachbarin, die gerade ihren Mann verloren hat, viel zu jung. 

Auch die aktuellen Nachrichten beschäftigen uns: Flutkatastrophe... Waldbrände... Afghanistan... Sah es immer so düster aus auf dieser Erde? Es wird still an unserem Tisch, so still...       

Irgendwann beugen wir uns dann doch noch über den Zettel. Lesen das Abendlied, das die Musiker vorgeschlagen haben. 

Und dann erwischt mich dieses Lied, besonders die letzte Zeile:

Gott, rede du allein / beim tiefsten Stillesein / zu mir im Dunkeln.     ​

Irgendwie ist das genau das, was ich brauche. 

Wenn ich nicht weiter weiß... 

wenn es um mich herum dunkel ist... 

wenn mir die Worte ausgehen... – dass dann aus der Stille dieser Andere, Größere zu mir spricht. 

Eine gute Nacht wünscht Angela Fuhrmann, ev. Pfarrerin in Gotha


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