Erwartungsvoll

Sie hatte nicht mehr daran geglaubt. Dass es einen Menschen geben kann, der sie so nimmt wie sie ist. Der sie gern ansieht, sie verstehen will, ihr Sachen sagt wie: Es ist so wunderbar, in deiner Nähe zu sein.
Das Leben hatte sie anderes gelehrt. Sie hatte sich eingelassen, manchmal mit Haut und Haaren, gehofft auf das große Glück. Immer wieder neu. Bis es sich auflöste, zerbarst, sich verflüchtigte. Wie Sternenstaub auf der Hand, in den der Wind hineinbläst. Und dann warten, warten, dass es zurückkehrt. Bangen, ob es wieder an ihre Tür klopft. Warten, erst mit Tränen, dann mit Wagemut und schließlich einfach mit großem Vertrauen. Was für ein großes Glück. Unerwartet und schön.
Ganz langsam gewöhnt sie sich wieder daran. Geliebt werden und lieben. Das kann man nicht machen. Sich dafür anstrengen hilft nicht. Offen sein, sich überraschen lassen, den Schwingungen des Herzens und der Seele folgen. Erwartungsvoll auf das sehen, was kommt.
Advent ist Zeit des Erwartens. Hoffen auf den, der das Leben in Händen hält. „Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt das Friede werde.“
So will sie singen und glauben, dass Gott es gut mit ihr meint und das Leben neu zu blühen beginnt.
Eine gute Nacht wünscht Pfarrerin Dorothee Land, evangelisch und aus Erfurt.