Friedhof

Er wollte gerne dort beerdigt werden. Ein winziger Friedhof auf einer Anhöhe, am Rande eines winzigen Dorfes im Mansfelder Land. Eigentlich ein fremder Ort, nie hatte er selbst dort gelebt, im Gegenteil: Weit weg, war oft umgezogen in seinem Leben, irgendwie auch heimatlos und unverwurzelt.
Je älter er wurde, umso stärker meldete sich die Frage, wo er mal bleiben und wo er beerdigt werden wollte.
Hier, diesen Friedhof, hatte er sich ausgesucht. Seine Urgroßeltern lagen hier beerdigt, und weitere Familienmitglieder. Weit zurück ins 19. Jahrhundert datieren deren Gräber. Die Steine sind noch erhalten, die Inschriften verwittert, aber sie lassen sich freikratzen unter der Moosschicht.
Hier wollte er gerne beerdigt werden. Versammelt bei seinen Ahnen.
Jetzt im Sommer ist er gestorben, mit über 80 Jahren. An einem heißen Juni-Tag hat man ihn dort unter den großen Linden zu Grabe getragen. Das alte, fast verfallene Familiengrab wird neu belegt.
Und fast scheint es, als würden sich seine Vorfahren, die hier seit langem unbeachtet liegen, darüber freuen. Dass die alten Steinen neu sortiert werden. Dass die Geschichte, auch die Familiengeschichte, weiter geht.

Wo gehöre ich hin? Ich gehöre in die Reihe derer, die vor mir waren. Leben in einer langen Reihe. Und es reiht sich weiter – Kinder, Enkel. Leben wird weitergetragen. Man kann weit voneinander entfernt leben, aber doch zusammenbleiben. Auf diesem Friedhof ist es zu spüren.
Vor mir war Leben, in mir ist Leben, nach mir wird Leben sein. Danke, Ewiger Gott!

Eine gute Nacht wünscht Ihnen
Pfarrerin Elisabeth Wedding aus Jena.