Gesellige Gottheit

Ich bin zu Gast. Ich freue mich über die Einladung. So kann ich dem lang -jährigen Freund und Kollegen zum 60sten persönlich gratulieren. Und doch stehe ich an diesem Freitagabend etwas müde zwischen den vielen Gästen. Die Woche war anstrengend.

Anderen ergeht es offenbar ähnlich. Gut, dass sich einige untereinander kennen. Ich stelle mich zu den bekannten Gesichtern. Ehemalige Studienkollegen. Ehemalige Arbeitskollegen.

Da hilft das „reife“ Geburtstagskind unserer Behäbigkeit auf die Sprünge. Mit einem kleinen Quiz. Wer mag, kann mitmachen. Ich nehme mir einen der Zettel. Wer ist derjenige, der den höchsten Berg Europas wiederholt bestiegen hat? Ich schaue mich um. Mann oder Frau? Wer von den 80 Gästen sieht so sportlich und verwegen aus? Es bleibt mir nichts anderes übrig, als auf mir Unbekannte zuzugehen. Sind sie es? Gehen sie Bergsteigen? Es dauert ein Weilchen bis ich ihn finde. Gerhard.

Und die nächste Frage: Wer schaut dem Geburtstagskind regelmäßig ohne Hintergedanken tief in die Augen? Das finde ich rasch heraus. Seine Augenärztin. Gabriele.

Ein Zettel voller Fragen hält die Gäste in Bewegung. Manchen lerne ich neu kennen. Die Müdigkeit ist verflogen. Es wird ein geselliger Abend.

Weil es wunderbar ist, einander kennenzulernen. Weil es überraschend ist, Einzigartiges am Anderen zu entdecken. Und dabei zu ahnen, wie vielfältig Gott sein muss, wenn er uns so bunt geschaffen hat.

Eine gute Nacht wünscht Ihnen Pastorin Theresa Rinecker aus Weimar